Ausflug nach Galle – oder: Wie geht man Neppern & Schleppern auf den Leim?

Am Donnerstag wollten wir mal auf eigene Faust los. Im Reiseführer hatten wir gelesen, dass die Stadt Galle (etwa 30 km von hier Richtung Süden) mit ihrem niederländischen Fort in jedem Fall einen Besuch wert ist. Nach dem (wie immer ausgezeichneten) Frühstück fragten wir Roy, wie wir am besten nach Galle kommen. Eigentlich hatten wir gedacht, erst nach Ambalangoda zu fahren und von dort den Zug zu nehmen, aber Roy empfahl uns, lieber gleich von hier aus mit dem Bus zu fahren. Klar! Hier fahren ja auch alle paar Minuten Busse vorbei & die Haltestelle ist quasi direkt vor der Haustür. Roy erklärte uns noch, dass wir für die Rückfahrt unbedingt einen Bus nehmen müssten, auf dem Ambalangoda als Ziel steht, ansonsten würde er hier nicht halten.

Zusammen mit Roy warteten wir dann auf den nächsten Bus & stiegen ein. Wie das nun mit der Bezahlung funktioniert, wussten wir noch nicht, aber wir fanden es heraus. 😉 Die Busse halten eigentlich nur auf Handzeichen bzw. wenn jemand aussteigen möchte. Bezahlt wird dann nicht beim Busfahrer, sondern bei einem (zusätzlich mitfahrenden) Kassierer, der die ganze Zeit durch den Bus läuft & die Fahrgäste abkassiert. In der Hand hält er ein Buch, aus dem er die Tickets heraustrennt (und die Rupees-Scheine reinsteckt), in die handschriftlich der Preis eingetragen wird. Für unsere Tour nach Galle sollten wir knapp 100 Rupees (ca. 0,60 €) bezahlen – wir hatten allerdings nur einen 1000er-Schein, den er uns erst mal nicht wechseln konnte. Er nahm also unseren Schein & gab uns zu verstehen, dass wir warten müssten. Aber wir hatten ja auch genug Zeit – die Fahrt nach Galle dauert etwa 40-50 Minuten. Der Bus hält ja auch alle paar hundert Meter, um Fahrgäste ein- & aussteigen zu lassen. Nach etwa einer halben Stunde erhielten wir dann unser Wechselgeld.

Im Bus nach Galle

Im Bus nach Galle

In Galle stiegen wir am Busbahnhof aus & wollten erst mal zum Fort & uns die Altstadt ansehen. Auf dem Weg dahin wurden wir allerdings von einem Einheimischen angesprochen, der uns natürlich erst mal fragte, woher wir denn kämen. Mit unserer hellen Hautfarbe fallen wir hier in Sri Lanka immer & überall auf – meist wird uns freudig zugewunken & „Hello“ zugerufen. Und als ausländische Touristen sind wir vergleichsweise reich & somit potenzielle „Opfer“ für irgendwelchen Nepp (da wir zusätzlich bisher immer freundlich & aufgeschlossen waren). In diesem Fall war uns das noch nicht so bewusst, aber wir sollten es lernen. Der Einheimische (er stellte sich als Mohammed vor) war ganz begeistert, nachdem er erfahren hatte, dass wir aus Deutschland kämen & sprach dann auch gleich Deutsch mit uns. Er versuchte uns ein bisschen auszufragen (wie lange wir schon da wären, wo wir wohnen würden, was wir in Galle machen wollten usw.) – seine Fragen beantworteten wir eher vage (Skepsis ist ja grundsätzlich immer angebracht). Er meinte jedenfalls, dass wir unbedingt auf den Dutch Market (nicht den Tourist Market) gehen sollten – hier gäbe es einen ganz besonderen Gewürzstand, der schon im Guardian erwähnt worden sei. Den wolle er uns unbedingt zeigen. Wir ließen uns (leider) darauf ein & wurden zu diesem Marktstand geführt. [Auf dem Weg dahin betonte er immer wieder, dass er kein Geld von uns wolle, er fände es toll, einfach mal wieder Deutsch zu sprechen.] Der Besitzer des Gewürzstands präsentierte uns dann ganz stolz seine tollen Gewürze, an denen wir eins nach dem anderen riechen sollten & natürlich wurden wir dann gefragt, welche wir denn nun kaufen wollten. So ganz unhöflich wollten wir nicht sein & nahmen 50 g vom Garam Masala (für 200 Rupees). Wir dachten, die Sache sei damit durch, aber nein – Mohammed erzählte uns anschließend seine halbe Lebensgeschichte: Beim Tsunami hätte er seine Frau & seinen Sohn verloren, jetzt hätte er nur noch eine Tochter, die aber an Kinderlähmung erkrankt sei & wenn wir für ihn etwas tun wollen würden (er möchte ja kein Geld), dann sollten wir Milchpulver für seine Tochter kaufen. Wo es das gibt, konnte er uns auch gleich zeigen – er hielt uns eine Dose Milchpulver vor die Nase, die happige 1425 Rupees kosten sollte. Puuh, aus der Nummer kamen wir nicht mehr raus (wir sind einfach zu nett – wir hätten selbstverständlich auch einfach gehen können). Wir kauften also dieses Milchpulver & Mohammed bedankte sich bei uns & verschwand. Und wir standen da – mit dem Gefühl, dass wir gerade ganz schön zum Narren gehalten wurden. Na ja, die Einsicht kam zu spät, aber wir nahmen uns vor, ab jetzt nicht mehr auf irgendwelche Angebote einzugehen, sondern uns Fremden gegenüber eher ablehnend zu verhalten. Das ist zwar total schade & irgendwie auch unangenehm, aber das würde definitiv unseren Geldbeutel schonen. 😉 (Auch wenn das sicher recht egoistisch klingt, aber wir können ja nicht allen helfen.) Diese Taktik funktionierte für den Rest des Nachmittags zumindest ziemlich gut.

Wir liefen also vom Markt direkt zum Fort & machten einen Rundgang auf dem Wall entlang. Hier brannte die Sonne ganz schön – schattige Plätze waren von Einheimischen belagert, denen wir aber erst mal aus dem Weg gehen wollten. Das Fort ist wirklich sehr sehenswert – auch die davon eingerahmte Altstadt ist richtig schön.

Wirklich viel mehr haben wir uns allerdings nicht angesehen – es war einfach zu heiß. Daher entschieden wir uns, zurück zum Busbahnhof zu gehen & nach unserem Bus nach Ambalangoda Ausschau zu halten. Der Busbahnhof ist tatsächlich riesig – hier fahren gefühlte 100 Busse ab (es waren in Wirklichkeit wohl eher 30 oder 35), aber in jedem Fall war es laut & es stank gehörig. Nach etwas Suchen hatten wir den richtigen Bus gefunden & konnten auch direkt einsteigen. Bis zur Abfahrt liefen mehrere Mandarinen-Verkäufer durch den Bus & boten ihre Ware an (uns diesmal allerdings nicht – vermutlich konnten sie kein Englisch & haben sich daher nicht getraut, uns anzusprechen). Die Busfahrt zurück verlief recht unspektakulär – abgesehen von einem Blinden, der plötzlich vorn im Bus stand, sein Tamburin herausholte & zu spielen & zu singen begann. Für ihn wurde sogar extra das laute Radio abgestellt (das vorher die ganze Zeit lief), bis er fertig war.

Dank unseres Navis wussten wir, wann wir in der Nähe der Piya Nivasa sind, um an der richtigen Haltestelle auszusteigen (Durchsagen oder Anzeigen gibt es nämlich keine, Haltestellenbezeichnungen auch nicht – man kann nur die Augen offen halten & sich rechtzeitig an die (immer!) offene Tür stellen, um dann auszusteigen). Nachdem wir nun wieder heil angekommen waren, – ihr ahnt es sicher schon 😉 – ging es wieder an den Strand, wo wir uns erst mal im Meer Abkühlung verschafften.

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang (Blick von unserem Balkon)

Nach dem Abendessen fragte uns Roys Sohn Lasantha, ob wir vielleicht Lust hätten, eine Tour in den Regenwald zu machen. Nico & ich hatten gerade vorher darüber gesprochen, dass uns das sehr interessieren würde & wir Roy oder seinen Sohn mal fragen müssten. Das Angebot kam also genau zur richtigen Zeit. Mit Lasantha vereinbarten wir eine Tour für Samstag. Toll – wir würden in den Regenwald fahren & hoffentlich viele Tiere sehen (abgesehen von Blutegeln, die dort wohl sehr zahlreich vorkommen, aber hauptsächlich in der Regenzeit anzutreffen sind – zum Glück ist gerade Trockenzeit). 🙂

An dem Abend weihte uns die Familie noch in das in Sri Lanka weitverbreitete Spiel Carrom ein – eine Art Fingerbillard, bei dem die eigenen Spielsteine (weiße oder schwarze) sowie ein roter Spielstein mithilfe einer durchsichtigen Spielscheibe, die man mit den Fingern „anschnipst“, versenkt werden müssen. Sehr lustig! Und wir waren sooo schlecht … 😉

P1030396aP1030397a Am Freitag haben wir uns etwas Entspannung gegönnt & hauptsächlich am Blog gearbeitet (Fotos herausgesucht & verkleinert, Texte geschrieben usw.). Inzwischen hatten wir herausgefunden, dass die Internetverbindung mit unserem Surfstick auf dem Innenbalkon am besten ist (wenn auch immer noch sehr, sehr langsam!), so dass wir endlich auch ein paar Fotos hochladen konnten.

Und was wir dann im Regenwald & auf dem Weg dahin & wieder zurück alles erlebt haben, berichten wir beim nächsten Mal.

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7 Antworten zu Ausflug nach Galle – oder: Wie geht man Neppern & Schleppern auf den Leim?

  1. conny schreibt:

    TRAUMHAFT!!! besser hätte euer start ja nicht sein können. genießt weiter diese traumhafte insel. fühlt euch gedrückt!!!

    • julinico schreibt:

      danke dir, süße! 🙂 es ist wirklich ganz toll hier … inzwischen sind wir weitergezogen – in die nähe von kandy. fühl dich fest zurückgedrückt!

  2. Eva & Andreas schreibt:

    Hi ihr beiden! Wir sind froh, dass bei euch alles soweit gut angelaufen ist! Ihr seid ja bereits fleißig am Erleben und Schreiben! Wir sind schon gespannt auf eure kommenden Beiträge! Genießt es!!! Der Weg ist das Ziel!!! 🙂 Ganz liebe Grüße!!!!

    • julinico schreibt:

      Danke, ihr Lieben! Wir hängen derzeit etwas hinterher beim Schreiben, aber die nächsten Berichte kommen bald. 🙂 Bei euch auch alles gut? 😉 Ganz liebe Grüße JuNi

  3. Eva & Andreas schreibt:

    Lieber Nico, alles Liebe zum Geburtstag!!! Hab einen sonnigen Tag 🙂 !!!

  4. arsteutonicus schreibt:

    Schöner Bericht, so wissen wir, worauf wir im Juli achten sollten. Viele Spaß noch.

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