Weiterfahrt nach Mawanella (bei Kandy)

[Wir hängen leider mit unseren Berichten etwas hinterher … 😉 ]

Am Montag hatten wir noch ein letztes (wie immer überaus leckeres) Frühstück in der Piya Nivasa, bevor wir weiter mit dem Zug Richtung Kandy fahren wollten. Wir verabschiedeten uns von Roy, Nisha, Lasantha & Iresha und wurden anschließend von Roy & Lasantha zum Bahnhof in Ambalangoda gefahren.

P1030747bDort besorgten wir uns ein Zugticket nach Kandy & kurz darauf ging es auch schon weiter, zunächst wieder nach Colombo Fort. Wir hatten uns wieder Tickets für die 2. Klasse gekauft & waren etwas überrascht über den günstigen Preis. Die Tickets sahen aus wie bei der Fahrt nach Ambalangoda, daher dachten wir uns erst mal nichts dabei. Der Zug nach Colombo war jedenfalls schon so voll, dass wir keinen Sitzplatz mehr bekamen & die gesamte 2-stündige Fahrt gestanden haben.

P1030764aP1030777a Angekommen in Colombo, hatten wir reichlich 2 Stunden Zeit, bis unser Anschlusszug nach Kandy abfahren sollte. Während wir da am Bahnhof an Gleis 2 so vor uns hinschwitzten & es um uns herum lärmte & stank,

Colombo Fort

Colombo Fort

bemerkten wir, dass die anderen Wartenden, die offensichtlich auch nach Kandy wollten, ganz andere Zugtickets (bzw. größere Zettel) hatten als wir. Komisch! Später sollten wir aber erfahren, dass wir doch noch mal hätten nachfragen sollen. 😉

Etwa 20 Minuten vor Abfahrt fuhr auch schon der Zug nach Kandy ein, wir stiegen ein & stellten fest, dass man hier anscheinend Plätze hätte reservieren müssen. Hatten wir aber nicht – wir setzten uns erst einmal hin & warteten, ob wir sitzen bleiben könnten. Den Gedanken, noch mal die ganze Fahrt zu stehen, fanden wir nicht so berauschend. Glücklicherweise bat uns niemand aufzustehen, so konnten wir also sitzen bleiben & etwas entspannen. Nach etwa einer Stunde kamen die Fahrtkartenkontrolleure, schauten sich unsere Karten an & sagten etwas zu uns, was wir zunächst nicht verstanden. Nach etwas Hin und Her stellte sich heraus, dass unsere Tickets nicht für diesen Zug galten – das war ein Expresszug, in dem wir saßen. Dafür hätten wir andere Tickets kaufen müssen. Oh je … wir mussten erst mal mit den beiden Kontrolleuren mitgehen – anscheinend zu ihrem Chef (der sich im Nachbarabteil aufhielt) & dann versuchten sie uns noch mal zu erklären, dass wir nicht die richtigen Tickets gekauft hatten. Die Verständigung mit ihnen war recht schwierig, da ich ihr Englisch kaum verstand & sie mich offensichtlich ebenfalls nicht so richtig. Ich hatte jedenfalls schon gefragt, ob wir die Tickets jetzt noch bei ihnen kaufen könnten. Sie diskutierten eine Weile miteinander & sagten uns, dass wir 560 Rupees (ca. 3,20 €) zahlen müssten – das wäre der Preis für die Fahrt von Colombo nach Kandy in diesem Expresszug. Wir müssten also keine Strafe zahlen … danke! 🙂 Nachdem wir das Geld bezahlt hatten, kehrten wir wieder zu unserem Platz zurück & wurden von den anderen Mitreisenden belächelt. 😉 Für uns war diese Nachzahlung ja nicht ganz so tragisch. Eine Einheimische hatte wohl auch das falsche Ticket (die hatte zumindest auch so eine kleine lila Karte wie wir) – sie brach gleich in Tränen aus & wirkte wie ein Häufchen Elend, als sie ebenfalls nachzahlen sollte (wahrscheinlich ja auch noch zusätzlich das Bußgeld, das uns erspart geblieben war).

Je mehr man sich Kandy nähert, umso hügeliger wird die Landschaft – wunderschön!

Auf dem Weg nach Kandy

Auf dem Weg nach Kandy

Etwa 15 Minuten vor der geplanten Ankunft in Kandy hielt unser Zug jedoch plötzlich an & fuhr auch erst mal nicht weiter. Die Ventilatoren in unserem Abteil hatten auch angehalten. Die anderen Mitreisenden sahen etwas ratlos aus, schauten nach draußen, lehnten sich zu den Türen & Fenstern hinaus, unterhielten sich aufgeregt – scheinbar hatte sich unsere Lok überhitzt, zumindest sagte einer zu uns etwas von „overheat“. Da standen wir nun also – mitten im Nirgendwo. Nach etwa 20 Minuten ruckte die Bahn das erste Mal wieder an, aber nur, um nach ein paar Metern wieder stehenzubleiben. Das wiederholte sich noch zweimal, bevor es nach insgesamt etwa 50 Minuten Wartezeit endgültig weiterging & wir kurze Zeit darauf in Kandy ankamen. Da es inzwischen schon kurz vor 19 Uhr war, war die Sonne längst untergegangen (Sonnenuntergang ist hier zwischen 18 und 18.30 Uhr) & es demzufolge schon recht finster draußen. Für Kandy hatten wir keine Unterkunft gebucht, sondern wir wollten Couchsurfen (http://www.couchsurfing.org). Dazu hatten wir ein paar Tage vorher einige Hosts kontaktiert (Menschen, die ein Bett oder eine Couch oder ein ganzes Zimmer bei sich für Fremde/Reisende zur Verfügung stellen – wir waren selbst auch schon ein paar Mal Host & wollten nun zum ersten Mal „surfen“, also bei jemanden unterkommen). Wir hatten bei 4 Leuten, die Kandy als Wohnort angegeben hatten, angefragt & insgesamt sogar 3 Zusagen bekommen – daher hatten wir die Qual der Wahl & entschieden uns für den Host, der uns zuerst zugesagt hatte. Er schrieb, dass er in Mawanella wohnt, das noch vor Kandy liegt. Wir dachten, dass es nur ein paar Kilometern seien – es waren jedoch ganze 30 km. Für deutsche Ohren hört sich das nicht so weit an – in Sri Lanka bedeutet das aber eine Transportzeit von mindestens einer Stunde (zumindest mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit denen wir ja unterwegs waren).

Wir liefen also erst mal aus dem Bahnhof heraus, gingen an den vielen dort wartenden Tuk-Tuk-Fahrern vorbei, die uns freudig ihre Dienste anboten, und hielten nach dem Busbahnhof Ausschau. Der war recht fix gefunden & ein Bus nach Mawanella auch. Gegen 20:15 Uhr erreichten wir unser Ziel. Mit unserem Host hatten wir während der Zugfahrt mehrfach gesmst – er hatte sogar angeboten, uns vom Busbahnhof abzuholen. Dort standen wir nun – aber von unserem Host war nichts zu sehen, wieder nur Tuk-Tuk-Fahrer, die uns aber nur ungläubig anstarrten. Hierher verirrte sich anscheinend nicht so häufig ein Tourist. 😉 Über ein kurzes Telefonat mit Roshan (unserem Host) klärte sich dann schnell, dass er an der anderen Bushaltestelle (an dem die Schnellbusse abfahren & ankommen) stand, aber gleich zu uns gefahren käme. Kurz darauf holte er uns ab, verfrachtete uns & unser Gepäck in seinem kleinen Auto & fuhr mit uns zu einem kleinen Häuschen, das er wohl eigentlich für seinen Sprachunterricht nutzt.

Roshans English Academy - unsere Unterkunft

Roshans English Academy – unsere Unterkunft

Roshan ist u. a. Englisch-Lehrer (Privatunterricht) & für seine „English Academy“ hatte er diese Räumlichkeiten gemietet/gekauft. (Inzwischen arbeitet er hauptsächlich als Ayurvedic Doctor & kann davon wohl ganz gut leben.) Er zeigte uns kurz den Raum, in dem wir schlafen würden, sowie die Dusche & die Toilette. Um dorthin zu gelangen, musste man vom Schulungsraum durch die „alte Küche“ (kein Kommentar, wie es dort aussah 😉 ) nach draußen. Neben dem Haus befand sich dann die Freiluft-Dusche & das Toilettenhäuschen (mit WC!), in dem keiner von uns aufrecht stehen konnte – das Dach reichte Nico noch nicht mal bis zur Schulter. 😉

Freiluft-Dusche mit Toilettenhäuschen

Freiluft-Dusche mit Toilettenhäuschen

Ansonsten sah es hier nach wirklich sehr einfachen Verhältnissen aus – damit müssten wir aber für die nächsten beiden Nächte klarkommen (und das ging auch prima).

Roshan hatte an dem Abend leider nicht viel Zeit zum Plaudern, aber er malte uns noch einen kleinen Stadtplan von Mawanella & berichtete kurz vom Elefantendorf & von den Teeplantagen. Außerdem empfahl er uns ein nahegelegenes Restaurant – das Oregano. Daraufhin verabschiedete er sich (er wohnt schräg gegenüber in einem anderen Häuschen) & wir mussten das alles erst mal sacken lassen. So langsam machte sich auch der Hunger bemerkbar, also brachen wir in Richtung Oregano auf. Dort bekamen wir sehr leckeres & günstiges Essen. Frisch gestärkt (aber noch verschwitzt von der Fahrt), kehrten wir zu unserer Unterkunft zurück & nahmen erst mal eine erfrischende Dusche. Diese Freiluft-Dusche mit angenehm kühlem Wasser war wirklich herrlich. 🙂

Geschlafen hatten wir ziemlich gut & haben uns am späten Vormittag auf einen Rundgang durch den Ort Mawanella begeben. Roshan hatte schon berichtet, dass auf dem Weg ins Zentrum an einer Stelle seeeehr viele Flughunde zu sehen seien (er sprach von 30.000). Ich dachte ja eigentlich, dass er etwas übertrieben hatte, aber auf unserem Spaziergang wurden wir eines Besseren belehrt:

Total beeindruckend – auch die Laute, die die Flughunde von sich geben.

Danach sind wir weiter in Richtung Zentrum, haben uns Frühstück besorgt (so eine Art Brötchen, gefüllt mit Gemüse, ziemlich scharf sowie ein süßes Teilchen) & waren dann auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen, aber die wenigen, die es gab, waren alle belegt, so dass wir uns entschieden, wieder zu unserer Unterkunft zurückzukehren.

Kurze Zeit später meldete sich Roshan – wir wollten ja eigentlich gemeinsam mit ihm ins Elefantendorf. Er hatte allerdings noch einige Erledigungen zu machen, so dass er uns kurzerhand in einen Bus setzte & dem Kassierer erklärte, wo wir aussteigen müssten. Außerdem gab er seinem Bekannten im Elefantendorf Bescheid, dass wir auf dem Weg dahin seien. Die Busfahrt war wieder recht witzig – es war ein lokaler (und daher ziemlich kleiner) Bus, in dem wir nicht aufrecht stehen konnten, weil die Höhe das nicht hergab. Glücklicherweise waren zwei Plätze frei, andererseits dauerte die Fahrt auch nicht sehr lang. Im Elefantendorf angekommen, wurden wir schon von Roshans Bekannten erwartet. Nachdem wir den Eintritt bezahlt hatten (2.500 Rupees pro Person), wurden wir von ihm herumgeführt – direkt zu 3 Elefanten, die sich in einem kleinen Flüsschen Abkühlung verschafften.

P1030841aP1030842a Unser Guide erklärte uns, wie das Dorf entstanden war & dass hier ausschließlich Elefantenwaisen leben. Zunächst warteten wir noch auf den „Mamouth“ – das ist die einzige Person, auf die ein Elefant hört – zum Teil hat ein Elefant sogar zwei Mamouths, vor allem, wenn er recht aggressiv & sonst nicht zu bändigen ist. Die Mamouths haben eine eigene Sprache für die Elefanten, die etwa 25 Befehle umfasst. In unserem Eintrittspreis waren Waschen & Füttern der Elefanten inklusive, also ging es direkt ans Waschen mit Kokosnussschalen. 🙂

 

 

Diese Tiere sind sehr imposant & wir hatten ordentlich Respekt vor ihnen. Die Haut der Elefanten fühlt sich irgendwie ledrig an, aber dennoch ganz weich.

Anschließend fütterten wir noch ein paar Bananen. So ganz sicher waren wir uns nicht, ob wir das richtig machten, aber der Elefant verschlang gierig die Bananen. 🙂

Lecker Bananen ...

Lecker Bananen …

Noch mehr Bananen!

Noch mehr Bananen!

Zum Abschluss warfen wir noch einen Blick ins „Museum“, in dem eine Replik des Elefanten mit den größten Stoßzähnen Asiens steht, der auch in diesem Elefantendorf gelebt hatte, jedoch 2011 im Alter von 72 Jahren verstarb.

P1030911aUnd dann ging es schon wieder zurück zu Roshans Academy – natürlich wieder mit so einem lokalen Minibus. 😉 Wenig später meldete sich Roshan erneut bei uns, um uns zu einer Teefabrik zu bringen.

P1030941aDa er selbst noch einen Freund im Krankenhaus besuchen wollte, setzte er uns in der Teefabrik ab & wir wurden von einer jungen Dame durch die Produktionsräume mit verschiedenen Anlagen geführt, in denen der Tee getrocknet, gesiebt, sortiert & fermentiert wird, so dass am Ende verschiedene Teequalitäten entstehen. Das war sehr interessant!

Am Schluss durften wir uns noch von der Qualität des hier hergestellten Tees überzeugen (in der Qualität Orange Pekoe). Dazu gabs Palmzucker, von dem man ein Stückchen abbeißt & dann einen Schluck Tee dazu trinkt. Sehr lecker!

Teestube

Teestube

Orange Pekoe

Orange Pekoe

Bis Roshan von seinem Krankenhausbesuch zurückkam, um uns abzuholen, vergingen reichlich 1,5 Stunden. Draußen schüttete es inzwischen wie aus Eimern, aber wir saßen sicher geschützt drinnen in der Teestube. 🙂

Mittlerweile hatte sich bei uns das Hungergefühl eingestellt, so dass wir mit Roshan noch etwas Essen gehen wollten. Wir waren mit ihm im Oregano, wo wir einen wirklich netten Abend zusammen verbrachten & er uns ein paar Sachen über die srilankische Kultur erklärte.

P1030947a

Im Oregano

Da er schon wieder die nächsten Anfragen über Couchsurfing erhalten & noch nicht beantwortet hatte, verabschiedete er sich auch schon bald. Wir mussten noch all unsere Sachen zusammenpacken, da wir am nächsten Morgen in aller Früh weiterfahren wollten – zunächst mit dem Bus nach Kandy & von dort aus mit dem Zug Richtung Ostküste.

Thanks again for everything, Roshan! 🙂

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