Durch die Straßen von Saigon

Mit unserer Unterkunft Thien Phu im Backpacker-Viertel (Pham-Ngu-Lao-Straße & Nebenstraßen) von Saigon hatten wir es anscheinend richtig gut erwischt. Unser Zimmer war groß, das Doppelbett ebenfalls, wir hatten ein eigenes Bad, sogar Klimaanlage (die wir allerdings nicht zum Laufen bekommen haben), TV (das 1. Mal seit über 2 Monaten konnten wir mal fernsehen), Handtücher, Ventilator, Kühlschrank, Kleiderschrank – es mangelte uns also an nichts. Außerdem war es sauber, wenn auch nicht mehr ganz neu & wir hatten schnelles Internet (WLAN). Und hierfür zahlten wir nur 250.000 Dong (etwa 8,50 Euro) pro Nacht. Wenn das mal kein Schnäppchen ist! 🙂

Wir entspannten uns zunächst ein bisschen, gingen unserem neuen Hobby nach (Blog schreiben 😉 ) & wollten dann Bustickets für die Fahrt ins Mekongdelta kaufen. In der Pham Ngu Lao gibt es hunderte von Reiseagenturen & -büros nur nicht alle sind vertrauenswürdig. Vu hatte uns eine Busgesellschaft empfohlen (Futa Buslines Phuong Trang) & auch gleich die Adresse von deren Ticketbüro aufgeschrieben. Das sollte sich bei uns ganz in der Nähe befinden. Wir fanden es auch recht zügig & erkundigten uns nach Tickets für Vinh Long. Im Mekongdelta gibt es viele Städte & Dörfer, die man bereisen kann. Wir hatten uns Vinh Long ausgesucht, weil wir darüber im Internet ganz nette Sachen gelesen hatten. Ich hatte auch schon über Couchsurfing zwei, drei Leute angeschrieben, ob sie uns vielleicht hosten (also bei sich aufnehmen) können, bisher aber noch keine Antwort erhalten. Vinh Long sollte es jedenfalls sein – egal, ob wir nun Couchsurfing nutzen oder im Hotel oder Homestay übernachten. Die junge Dame im Büro von Futa Buslines konnte anscheinend recht wenig Englisch. Sie suchte auf unsere Frage nach den Abfahrtszeiten nach Vinh Long recht wild nach einem Zettel, den sie uns dann vor die Nase hielt & uns zu verstehen gab, dass wir die Tickets nach Vinh Long in einem anderen Büro, etwa 3,6 km entfernt von hier, kaufen müssten. Hmm, das ist ja nicht so praktisch, aber gut. Wenn das so ist, müssen wir eben in das andere Büro. Ganz in der Nähe befand sich ein Busbahnhof. Vielleicht könnten wir ja mit dem Bus hinfahren?

Das Bussystem in Saigon hatten wir noch nicht so ganz durchschaut. Es hängen immer Mal Netzpläne aus, aber auf denen kann man kaum etwas erkennen – zu viele Linien & die Beschriftung sehr unleserlich. Weiterhelfen kann auch kaum jemand – meist bekommt man stattdessen direkt ein Motorbike-Taxi (auf Vietnamesisch xe om, also Mitfahrt auf dem Moped) angeboten, was wir aber nicht wollten. Wir fanden dann zwar auf dem Plan eine passende Buslinie, aber nicht die entsprechende Bushaltestelle. Wir liefen also erst mal in die Richtung & wollten dann in den Bus einsteigen, wenn wir ihn sehen. Wir liefen & liefen & liefen … Der Bus war nirgends zu sehen. Schließlich waren wir dann die gesamte Strecke gelaufen. 😉

In dem Büro der Busgesellschaft herrschte reger Betrieb. Wir wussten auch, warum – morgen war der 30. April, Liberation Day, und übermorgen 1. Mai, Tag der Arbeit. Beides Feiertage in Vietnam. An Feiertagen ist es häufig so, dass viele Vietnamesen selbst auch Urlaub machen & zum Beispiel ins Mekongdelta fahren. Das hatte uns zumindest Vu erzählt, weshalb wir ja auch heute schon die Tickets für übermorgen holen wollten.

Am Tresen stand vor jedem Mitarbeiter eine Traube von Vietnamesen & wir mittendrin. Zunächst standen wir in der falschen Traube an – wir hatten nicht gesehen, dass jeder Mitarbeiter für unterschiedliche Ziele zuständig ist. Als wir unseren Fehler bemerkten, wechselten wir zwar zur richtigen Traube, aber wir kamen ewig nicht dran. Immer wieder drängelten sich Leute von der Seite vor & redeten auf die Mitarbeiterin vor uns ein. Und wenn man kein oder nur kaum Vietnamesisch spricht (Vu hatte uns ein paar Worte dieser – wie ich finde – schwierigen Sprache beigebracht), dann hat man hier kaum eine Chance. Die Mitarbeiterin hatte aber irgendwann ein Einsehen & fragte uns auf Englisch, wo wir denn hinfahren wollen. Dann ging alles ganz fix & wir hatten unsere Tickets für Donnerstag. 🙂 Sie wies uns noch darauf hin, dass wir eine Stunde vor Abfahrt hier sein müssten, weil wir dann noch zum Bus gebracht würden. Okay – zum Glück hatten wir den Bus um 9.45 Uhr gewählt, so dass wir nicht mitten in der Nacht aufstehen müssen, sondern eben „nur“ früh am Morgen. 😉

Als wir aus dem Büro herauskamen, fing es leider zu regnen an. Außerdem war es bereits kurz vor 18 Uhr & abends fahren die Busse in Saigon nicht oder nur noch vereinzelt (meist bis maximal 19 oder 20 Uhr). Motorbike-Taxi oder Taxi wollten wir nicht nehmen, da einerseits der Verkehr in Saigon so verrückt ist & man andererseits leicht übers Ohr gehauen wird (wir hatten im Vorfeld die wildesten Geschichten gelesen). Dem wollten wir aus dem Weg gehen, daher blieb nur Laufen. Blöd nur, dass der Regen immer stärker wurde. Es half alles nichts. Wir stellten uns kurzzeitig mal unter & suchten über die App HappyCow nach einem Restaurant in der Nähe. Wir entschieden uns für das Am Thuc Chay Mani mit sehr guten Bewertungen, was allerdings doch noch ein gutes Stück entfernt war. Der Regen ließ langsam wieder nach & wir suchten das Restaurant auf. Das war gut besucht, vor allem von Einheimischen. Ein gutes Zeichen! Wir wurden auch nicht enttäuscht – es war sehr, sehr lecker & sehr günstig! Und das Personal war sehr freundlich!

Leckerst! :)

Leckerst! 🙂

Wir waren gerade mit dem Essen fertig, als plötzlich das Licht ausging & gleichzeitig ein kleiner Aufschrei zu hören war. Stromausfall! Es war stockfinster – aber nur kurzzeitig. Schon leuchteten die ersten Taschenlampen & Handys & es wurde gesucht & gekramt. Kurze Zeit später wurde ein Generator hervorgeholt … Der Stromausfall würde wohl etwas länger dauern. Die Bedienung entschuldigte sich auch noch bei uns für den fehlenden Strom, aber das war ja nicht ihre Schuld. Wir fanden es eher amüsant. 🙂

Der Strom war nach etwa 20 Minuten wieder da. Wir bezahlten & liefen zurück zu unserer Unterkunft. Was für ein Tag heute!

Am nächsten Tag machten wir uns erst gegen Mittag auf den Weg. Zunächst gingen wir in eine Bäckerei (ABC Bakery) auf der Pham Ngu Lao & hatten dort leckere belegte Baguettebrötchen zum Frühstück. Endlich mal wieder so etwas wie Brot! 🙂

Frisch gestärkt, ging es weiter Richtung Cho Ben Thanh (dem Ben-Thanh-Markt, einem zentralen Punkt in Saigon). Hier suchten wir nach einem Bus, mit dem wir zum War Remnants Museum (Museum über den Vietnamkrieg) fahren könnten.

Bus Nr. 152 fuhr in die Richtung, also nahmen wir diese Linie. Dank Navi-App wussten wir, wo wir in etwa aussteigen müssen. Das klappte prima & das Museum war schnell gefunden.

Wir bezahlten jeder 15.000 Dong Eintritt & waren dann schon mitten in der Ausstellung. Draußen stehen einige Kriegsflugzeuge & Panzer, drinnen sind mehrere Ausstellungsräume zu verschiedenen Schwerpunkten, aber es geht natürlich immer um den Vietnamkrieg & die Gräueltaten, die dort verübt worden sind.

Hauptsächlich sind Fotos mit Beschreibungen zu sehen – zum Teil ist sowohl das eine als auch das andere nur schwer zu ertragen. [Was uns allerdings aufgefallen war, dass im Museum selbst nichts über den Hintergrund des Vietnamkrieges zu erfahren ist. Man sollte sich daher möglichst im Vorfeld darüber informieren, z. B. hier.]

Nach diesem Museum war der Nachmittag im  Prinzip gelaufen. Zumindest brauchten wir Ablenkung & liefen zur Notre-Dame-Kathedrale, die sich ganz in der Nähe befand. Dort war es unheimlich voll, also auch kein guter Platz zum Ausruhen. Wir kauften noch völlig überteuerte Bananen bei einer Händlerin & begaben uns dann wieder in Richtung Zentrum.

Wir hatten gelesen, dass man auf der Dachterrasse des Hotel Rex einen wunderbaren Blick über die Stadt hätte & sich das besonders abends lohnen würde. Wir waren zwar nicht wirklich angemessen gekleidet, aber egal. Wir versuchten es einfach (& niemand hielt uns auf) & fanden nach einigen Treppen auch endlich die Garden Rooftop Bar. Da die Dachterrasse des Rex derzeit umgebaut wird, war der Weg zur Bar nicht ganz einfach zu erkennen (& ein Teil der zur Dachterrasse führenden Fahrstühle außer Betrieb). Eine freundliche Mitarbeiterin wies uns aber schließlich den Weg & platzierte uns an einem der Zweiertische mit Blick auf den Trubel in den umliegenden Straßen. Danach war offensichtlich ein Kellner nur für uns allein zuständig. Er empfahl uns einen bestimmten Cocktail (5 o’clock follies), den wir noch innerhalb der nächsten Minuten bestellen könnten & dann einen Cocktail aufs Haus bekämen. Das klang prima! Vor allem beim Blick in die Speisekarte – hier wurde mir ganz schwummrig bei den vielen Nullen (vor dem Komma). 😉 Sehr europäische (gehobene) Preise. Aber jetzt waren wir einmal hier, also konnten wir es auch mal „krachen“ lassen. Wir stießen auf F. an, der heute (30. April) Geburtstag hatte! Auf jeden Fall ein guter Grund zum Feiern. 😀 Da kann man schon mal eine knappe halbe Million (Dong!) ausgeben. 😉

Danach sind wir noch in der Umgebung des Rex‘ & auf der Le Loi, der Prachtstraße von Saigon, entlangspaziert & hatten zum Abschluss im Backpacker-Viertel ein leckeres Abendessen im Ngoc Tho.

Am nächsten Tag sollte es dann ins Mekongdelta gehen. Noch an diesem Abend bekamen wir eine Zusage von einer Couchsurferin aus Vinh Long, die zwar selbst nicht da sei, aber ihre Familie & die wüsste Bescheid. Sie versorgte uns noch mit sehr hilfreichen Tipps zur Anreise & wünschte uns einen tollen Aufenthalt. Ihren Informationen nach könnte die Anreise wieder mal spannend werden! 😀

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Eine Antwort zu Durch die Straßen von Saigon

  1. icke schreibt:

    hehe, da habt ihr ja auch quasi mitgefeiert 😉 scheeen.

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