Die südliche Reiskammer Vietnams

Das Mekong-Delta wird auch die südliche Reiskammer Vietnams genannt und beschreibt die netzförmige Flussmündung des Mekong, die anstelle einer Bucht durch Sedimentation entstand und dadurch sehr fruchtbar ist. Neben Reis werden aber auch tropische Früchte, Zuckerrohr und Kokosnüsse angebaut. In dem stark verzweigten Flussnetz, das sehr dicht besiedelt ist, leben die Menschen in, auf und aus dem Wasser.

Unsere Unterkunft, die wir auf so abenteuerliche Weise erreicht hatten, liegt direkt am Wasser und heißt „Happy Family Guesthouse“ & das merkt man auch. Wir hatten uns nur kurz im Zimmer eingerichtet, umgezogen und etwas frisch gemacht, da wurden wir auch schon auf der Terrasse direkt am Fluss erwartet. Dort saß die Familie mit Freunden, sie wollten gerade essen und baten uns mit an den Tisch. Wir gestanden, dass wir uns vegetarisch ernähren und daher auf Fleisch und Seafood verzichten. Das war kein Problem. Toân (Thuy Ans Cousin) schnitt für uns schnell frische Mango auf, die sehr lecker war. Es war eine sehr lustige und gesellige Runde. Zur Begrüßung sollten wir auch gleich ein Glas Reisschnaps trinken (der zwar als Rice Vine bezeichnet wird, aber mit Wein hat das irgendwie nicht mehr viel zu tun 😉 ). Toân & Giang (Thuy Ans Bruder) haben dann auch noch alle in der Runde vorgestellt. Sie fanden, dass wir ein niedliches Pärchen wären, und sie konnten gar nicht fassen, wie groß wir sind. Es gab auch weiter reichlich Reisschnaps: Es wurden immer 2 Gläser (es gab nur diese 2) gefüllt und reihum musste sich jeder mal jemanden zum Anstoßen aussuchen. Der Reisschnaps wurde auch nie alle, eine leere Flasche wurde sofort wieder aufgefüllt. Und der Schnaps wirkt umso besser, wenn man nichts oder nur Mango gegessen hat. 😉 Es war sooo lustig. 😀 Fast jeder wollte dann noch ein Bild mit uns machen. Úh (eine Freundin der Familie) hatte ich es besonders angetan, sie fand mich so „handsome„. 🙂 Sie konnte auch kein Englisch, eigentlich sprachen nur zwei aus der Runde ein bisschen Englisch (Giang und Toân), und so wurde immer erst alles auf Vietnamesisch gesagt, dann irgendwie ins Englische übersetzt, und alles, was ich nicht verstanden habe, hat Juli dann noch mal auf Deutsch wiederholt. Schön wars!

Toân wollte uns nach dem Essen noch sein Elternhaus zeigen und so haben wir eine kleine Runde durch die Nachbarschaft gedreht. Erst hat er uns zu Thuy Ans Elternhaus geführt und danach wurden wir bei seinen Eltern auch noch auf ein Tee eingeladen. Auch frische Wasseräpfel sollten wir probieren. Er musste seinen Eltern noch mit helfen, so dass wir irgendwann gemütlich zurückgeschlendert sind. Die Runde auf der Terrasse hatte sich mittlerweile aufgelöst und so ließen wir den Nachmittag bzw. Abend gemütlich ausklingen. Irgendwie mussten wir ja auch unseren Rausch wieder loswerden! 😉

Das Guesthouse ist echt toll! Es gibt über 20 Zimmer (vermutlich die meisten mit Gemeinschaftsbad) sowie 2 Cottages und noch eine Hütte direkt am Fluss, dann die bereits erwähnte Terrasse, einen Pool (der aber noch nicht in Benutzung war), eine Gartenküche, einen Kinderspielplatz, ein Fitnessstudio, eine Sauna, noch weitere Terrassen, unzählige Hängematten, einen Billardtisch, eine Dartscheibe, einen Grillplatz und eine Monkeybridge zur Terrasse. Da hat jemand mit viel Liebe zum Detail einen tollen Ort geschaffen. Jetzt müssen nur noch die Gäste kommen!

Gegen 7 servierte uns Thuy Ans Mutti noch ein sehr leckeres vegetarisches Abendessen. Wir wurden also bestens versorgt!

Für den nächsten Tag hatten wir uns eine Fahrradtour zum schwimmenden Markt vorgenommen. Toân meinte, dass wir dann gegen 7:00 Uhr los müssten und dass er uns noch ein Stück bringen würde. Das klingt doch super! Die Fahrräder kann man auch direkt im Happy Family Guesthouse ausleihen und so sind wir am Freitagmorgen schon früh los. Die Räder sind eigentlich viel zu klein, obwohl ich bei der Sattelhöhe alles rausgeholt habe, was ging. Außerdem brauchten die Fahrräder mehr Luft auf den Reifen und so fuhren wir mit Toân in eine kleine Werkstatt. Anschließend führte er uns über den Markt in Dong Phu und dort in ein kleines Café, wo er die Getränke bestellte. Hier spricht so gut wie keiner Englisch, aber dennoch wollten wir versuchen, ob wir auf dem Markt etwas zu essen bekommen. Wir gingen zu einem Baguettesstand und Juli versuchte es auf Vietnamesisch mit dem Satz „Ich esse Gemüse/vegetarisch.“ (Tôi ăn chay.). Das junge Mädel an dem Stand (vermutlich die Tochter von Mutter und Tochter) verstand es und wiederholte es noch mehrmals für ihre Mutter. Jaaa, zusammen mit Zeichensprache hat es geklappt! 🙂 So bekamen wir 2 vegetarisch belegte Baguettes auf dem Markt und frühstückten im Café.

Toân brachte uns danach noch zur Anlegestelle der Fähre, mit der wir in Richtung „floating market“ fahren sollten. Wir mussten kurz warten und dann kam auch schon die Fähre. Wir setzten mit unseren Fahrrädern nach Cai Be über (15 min, 7000 Dong pro Person mit Fahrrad) und fuhren dort noch mal ca. 25 min mit den Rädern nach Cai Be Town. Wir kamen gegen halb 10 an dem Hafen an, wo auch noch Einiges los war. Es gab mehrere Tour-Anbieter, wir entschieden uns für einen und fragten nach einer Bootstour zum „schwimmenden Markt“ von Cai Be. Es gab 1-, 2- und 3-Stunden-Touren. In der zweistündigen Tour sollten der Markt, ein authentisches Dorf und weitere regionale Attraktionen besichtigt werden. Der Preis war hoch (500.000 Dong), aber jetzt waren wir einmal hier, dann machen wir das auch. Wir konnten den Anbieter noch um 50.000 Dong herunterhandeln und nachdem wir bezahlt hatten, ging es auch schon los.

Auf einem Boot, auf dem sicher 10 Leute Platz gehabt hätten, fuhren wir zur ersten „Attraktion“. Unser Bootsführer sprach so gut wie kein Wort Englisch und steuerte das Boot einfach den Fluss entlang, auf dem der Markt stattfindet. Ja, wir sahen auch das ein oder andere Boot mit Melonen, Kartoffeln oder Kohl, aber ein belebtes Handeln konnten wir nicht beobachten. Schade eigentlich! Soll es das gewesen sein?

An einer Flussgabelung bogen wir rechts ab und ein Stück hin legte der Bootsführer an. Er deutete uns, dass wir hier aussteigen sollen und führte uns zu einer, sagen wir mal, Puffreisrösterei. Zumindest konnte man sich ansehen, wie Puffreis karamellisiert und zu Platten geformt wird. Offiziell war es wohl eine candy faktory (Süßwarenherstellung). Unser Bootsführer war nun auch unser Guide und er gab uns zu verstehen, dass wir uns an einen der vielen Tische setzen sollten. Wie die Puffreisplatten geschnitten und verpackt wurden, konnten wir uns leider 😉 nicht mehr ansehen. An den Tisch kam sofort eine junge Frau, die uns eine Kanne Tee hinstellte und eine Platte mit verschiedensten Süßigkeiten servierte. Mmmh! Sobald der Tee getrunken war, sollten wir noch an dem Schnick-Schnack-Stand gucken. Gekauft haben wir aber nichts.

Die nächste Attraktion war eine Imkerei, in der es verschiedenste Honigprodukte (aber auch wieder Schnick-Schnack) zu kaufen gab. Auch hier wurde uns ein Tee serviert, diesmal Honigtee mit Limette (sehr lecker!).

Anschließend ging es mit dem Boot wieder über den „floating market“ (auf dem auch jetzt nicht mehr los war als zuvor) zurück und noch weiter zu dem „local village„, dem authentischen Dorf. Hier sollte man sehen können, wie die Menschen hier leben bzw. früher lebten. Neben einigen einfachen Hütten gab es noch ein Restaurant, in dem gerade eine „local“ Band ?? spielte.

Unser Guide schaute sich suchend um, bis er eine Frau sah, an die er uns übergab. Sie führte uns auf einem schmalen Pfad zu ihrem kleinen Boot. Ebenfalls im Programm inklusive war die Fahrt mit einem traditionellen Ruderboot durch die schmalen Kanäle. Hier bekamen wir jeder erst noch einen dieser typischen vietnamesischen Hüte (in Kegelform) auf und dann legte sie ab.

Eigentlich sehr romantisch, nur leider kamen uns mehrere kleine Motorboote entgegen, die an uns vorbeiknatterten und eine ordentliche Abgaswolke hinterließen. Nach gefühlt 300 m kamen wir auf den breiten Flussarm, wo unser großes Boot schon auf uns wartete und wir wieder umstiegen. Das wars! Wir hatten alles gesehen und unsere „Butterfahrt“ war zu Ende. Wir fuhren nur noch zurück und hatten die 2 Stunden Tour in Bestzeit (1:45 h) hinter uns gebracht.

Wir waren schon ein wenig enttäuscht, da wir doch hauptsächlich den „floating market“ hatten sehen wollen, es dort nur nicht viel zu sehen gab. Vielleicht war es der falsche Ort, die falsche Zeit oder die falsche Agentur, evtl. waren auch unsere Erwartungen zu hoch.

In der Ferne war schon ein Gewitter im Anmarsch, so dass wir uns zügig wieder auf den Rückweg machten. Wir gingen gerade von der Fähre, als die ersten Tropfen fielen. Die sich nähernden Wolken waren richtig dunkel, so dass wir uns nur noch auf den Markt von Dong Phu retteten und in demselben Café wie heute Morgen landeten. Nun versuchten wir es selbst mit der Bestellung, allerdings holte der Eigentümer dann schnell doch jemanden mit Englischkenntnissen. Trotzdem kam dann mehr als eigentlich gewollt, was aber auch kein Problem war. So konnte ich einen kalten und einen heißen Kaffee trinken. Hier, und das hatten wir auch schon in Saigon so erlebt, wird alles (vor allem Getränke) mit Eiswürfen gekühlt. Ganz typisch ist es eben für Kaffee. Die Eiswürfel sind hier meist auch keine Würfel. Große Eisblöcke werden so zerkleinert, dass sie irgendwie ins Glas passen. Schön!
Dazu gab es jedenfalls noch ein Baguette wie heute Morgen. Die beiden Frauen erkannten uns gleich und freuten sich, dass wir wieder zu ihnen kamen. So beobachteten wir aus dem Café das Gewitter wie auch das Treiben auf dem Markt. Den zumeist Frauen hinter den Verkaufsständen machte der Regen scheinbar nichts aus, sie nahmen ihre Waren soweit zurück, dass sie nicht nass wurden. Irgendwie ist fast der ganze Markt mit Folien abgehangen, entweder zum Schutz vor der Sonne, oder aber wie jetzt vor dem Regen.

Nach knapp einer Stunde ließ der Niederschlag nach, so dass wir allmählich den Rückweg antraten. Zuvor fuhren wir aber noch zu einer schönen Pagode ganz in der Nähe & schossen ein paar Fotos. Dann ging es zurück zum Guesthouse. Allerdings wurde, kurz bevor wir dort ankamen, der Regen doch noch mal stärker und wir wurden etwas nass. Bei 30 °C war mir das egal. 😉

Den Nachmittag verbrachten wir auf der Terrasse und am Abend gab es wieder leckeres Essen, diesmal Nudeln mit Tofu und Gemüse sowie eine Suppe und Reis.

Was wir am nächsten Tag gemacht haben, folgt hier.

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