My Son – Tempelanlage aus der Cham-Kultur

Absolut sehenswert ist die Tempelstadt von My Son – so steht es in wahrscheinlich jedem Reiseführer. Wir hatten in unserem Homestay Blue Clouds eine Tour für 8 Dollar gebucht, die mit dem Bus hinführt und mit dem Boot zurück.

[Einschub: Touristenangebote werden in Vietnam ganz oft in Dollar gerechnet und auf die Frage, wie viel das in Dong ist, können es die wenigsten gleich sagen, stattdessen wird, vielleicht noch mit dem Taschenrechner, groß rumgerechnet. Das fand ich sehr merkwürdig!]

Um 8:00 Uhr sollte der Bus kommen, d. h. wir mussten bis dahin unsere Sachen gepackt und gefrühstückt haben. Leider müssen wir ja die Unterkunft wechseln, aber erst nach der Tour, nur mussten die Sachen schon gepackt sein. Kurz vor 8:00 Uhr waren wir – nach dem Frühstück – wieder in der Lobby, aber wir sollten uns erst noch mal setzen. Der Bus sammelt alle Tourteilnehmer an den jeweiligen Hotels ein und das kann schon mal dauern.

Es muss so gegen halb 9 gewesen sein, als ein Anruf kam, dass der Bus gleich da wäre. Der Chef vom Homestay ist noch mit zur Hauptstraße gekommen und hat auf einen Bus gedeutet, der sich näherte. Wir sind eingestiegen, haben uns einen Platz gesucht und dann fuhr der Bus ganze 50 m & hielt vor einer Tankstelle wieder an. Der Fahrer machte den Motor aus, verließ den Bus, reparierte irgendetwas und kam mit schmierigen Händen zurück. Jetzt konnte es losgehen – offensichtlich waren wir auch die letzten, die eingesammelt wurden.

Mit uns war der Bus etwa halb voll und die Fahrt bis zur Tempelanlage sollte gut 1,5 h dauern. Nach ca. 30 min, einige hatten gerade die Augen zugemacht, um ein wenig zu dösen, stellte sich unser Tourguide vor und erzählte uns schon Einiges zu dem seit 1999 zum UNESCO Weltkulturerbe gehörenden Hindu-Tempel-Komplex. Die typischen Tempel-Türme sind ein Symbol der Cham-Kultur, die sich vom 4. bis 13. Jahrhundert in Zentralvietnam entwickelt hat. Die Tempelstadt liegt etwa 50 km südöstlich von Hoi An und bestand ursprünglich aus 70 Tempeln, von denen allerdings viele im Vietnamkrieg zerstört oder beschädigt wurden. Unser Guide hat das ganz gut gemacht. Der Ton klang etwas wie beim Militär, daher verwunderte es uns nicht, als er erzählte, dass er zuvor bei der Armee war. Zwischen den vielen interessanten Informationen machte er auch immer wieder Scherze. Es gibt hier wohl noch viele Landminen und wir sollten immer hinter ihm gehen. Wenn, dann würde es ihn zuerst treffen! … und uns dann später! 😉

Nach dem Krieg wurde das Gelände mit Unterstützung durch Experten aus der DDR von Landminen befreit. Aber außerhalb von Sehenswürdigkeiten gibt es angeblich noch große verminte Bereiche, daher sind Touren ausschließlich mit Guide möglich.

Endlich angekommen, machten wir erst mal einen Stopp an einem Restaurant mit Skulpturengarten und -museum. Nach 10 min ging es noch mal mit dem Bus ein Stück bis zum Eingang, dort sollten wir aussteigen und zu Fuß über eine Brücke laufen, alles andere hat der Guide gemanagt. Hinter der Brücke sollten wieder alle in den Bus einsteigen, um dann noch mal gefühlt 500 m bis zum Parkplatz zu fahren. Von hier aus war es dann nicht mehr weit, allerdings war es schon so heiß, dass man aus allen Poren schwitzte.

Unser Guide erklärte uns, dass die Tempelstadt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch französische Archäologen aufgenommen und die Tempel nach der Zeit ihrer Entstehung in Gruppen eingeteilt wurden. Trotz der großen Zerstörungen im Vietnamkrieg ist die Anlage sehr beeindruckend. Einige Tempel sind noch gut erhalten und begehbar, andere sollen wiederaufgebaut werden, was aber recht schwierig ist, da die Jahrtausende alte, fugenlose Bautechnik der Cham noch nicht reproduzierbar gelungen ist. Schattige Plätze gab es nur wenige, weshalb wir in der Sonne förmlich zerflossen. Verrückt!

Ein Weg führte an allen Tempelgruppen vorbei und überall konnte unser Guide die Hintergründe erklären. Sehr interessant! Man merkt aber auch wie sinnlos Kriege sind, in denen tausende Menschen ihr Leben lassen und Jahrtausende alte Kulturdenkmäler zerstört werden. Unser Guide wies immer wieder auf die jeweiligen Besonderheiten hin und das in einer besonders lustigen Art und Weise. Häufig waren noch Verzierungen und Skulpturen zu erkennen, zu denen er immer einen Spruch auf den Lippen hatte. Der „Linga“ – Phalussymbol im Hinduismus, welcher für Manneskraft steht – hatte es ihm besonders angetan. Touch it, baby ...

Bevor wir mit dem Bus zum Boot fuhren, konnten wir noch mal an einem Imbiss pausieren. Mit dem Bus ging es dann noch einige Kilometer bis zu einem Fluss, wo sich unser Guide von allen Bootsrückreisenden verabschiedete und meinte, dass wir hier auf den Bootsführer warten sollen. Aus einem 2. Bus kamen auch noch Leute hinzu und dann wurden wir wirklich abgeholt und zu einem Boot geführt. An Bord war der Tisch bereits gedeckt: Es gab ein vegetarisches Reisgericht und Bananen als Dessert. Das traf hervorragend unseren Geschmack! 🙂

Das Boot fuhr 45 min Richtung Hoi An und legte dann quasi gegenüber an einem „local village“ an, das bekannt für seine Holzkunst ist. Hier war die Besichtigung von mehreren Holzwerkstätten Bestandteil der Tour. Die Schnitzereien und die Techniken waren zu bestaunen und natürlich konnte man allerlei Souvenirs käuflich erwerben. 😉

Anschließend kreuzten wir nur noch den Fluss und der Bootsführer setzte uns an einem Bootsanleger in Hoi An ab. Insgesamt war die Tour sehr schön und vor allem wahnsinnig interessant, wobei wir mit unserem Guide sicher auch viel Glück hatten.

Dieser Beitrag wurde unter Reise, Vietnam abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s