Durch die alte Kaiserstadt

Die ersten beiden Tage war es so heiß in Huế – immer knapp 40 Grad im Schatten, kaum auszuhalten (ohne Klimaanlage). Da mein Sonnenbrand auch noch nicht weg war & wir einfach mal etwas Ruhe brauchten, unternahmen wir an diesen beiden Tagen nicht groß etwas. Wir waren mal einkaufen, zu Fuß in der Umgebung unterwegs (u. a. am Bahnhof) & abends etwas essen. Das Wetter sollte auch weiterhin so heiß bleiben, dennoch hatten wir uns für heute (Montag) fest vorgenommen, zeitig aufzustehen, dann Räder auszuleihen & bis zur alten Kaiserstadt (kaiserliche Zitadelle mit verbotener Stadt nach dem Vorbild in Peking) zu fahren, um uns dort die Anlage anzusehen (zu Fuß – jegliche Fahrzeuge sind dort verboten). Sie wurde 1805 errichtet, gehört seit 1993 zum UNESCO Weltkulturerbe & war bis 1945 Sitz der Nguyen-Kaiserdynastie.

Mit dem zeitigen Aufstehen hat nicht 100 Prozent geklappt – wir sind erst nach 8 Uhr los statt wie geplant gegen 7 Uhr. Es war also schon wieder ordentlich warm, um nicht zu sagen heiß. Zum Glück war mein Sonnenbrand inzwischen schon auf ein erträgliches Maß zurückgegangen, dennoch hatte ich mir eine dünne Jacke übergezogen, um die Haut noch etwas zu schonen. Mit dem Fahrtwind vom Radeln war es auch recht angenehm, nur die Abgase der vielen Mopeds & im Vergleich dazu wenigen Autos unterwegs störten noch, aber die wären wir auch bald los. Wir drehten erst mal (mehr oder weniger unfreiwillig) eine Runde um die gesamte Anlage – wir dachten, es gäbe eventuell mehrere Eingänge, gibt es aber nicht. Das letzte Stück des Weges fuhren wir auch noch im Gegenverkehr (was an sich aber nicht so ungewöhnlich ist in Vietnam 😉 ) und wechselten später auf den Fußweg, um nicht ganz so aufzufallen. Die Fahrräder mussten wir in der Nähe des Flaggenturms innerhalb der Außenmauer parken. Dafür haben wir natürlich wieder 5.000 Đong pro Fahrrad bezahlt. Warum auch nicht?! 😉

Die Außenmauer ist 10 km lang, 6 m hoch & von einem 23 m breiten & 4 m tiefen Wassergraben umgeben. Sie verfügt über 10 Tore & 24 Wachtürme. Der Eingang zur kaiserlichen Zitadelle befindet sich am Mittagstor (Cữa Ngọ Môn, wird gerade renoviert und ist daher eingerüstet), im Süden – gegenüber vom Flaggenturm. Da waren wir nun. Hier kann man allerdings auch noch etwas falsch machen als Touri – sich an die falsche Kasse stellen. Wir standen offensichtlich erst bei der Kasse für die Einheimischen an, wurden aber direkt an den Nachbareingang verwiesen, wo der ausgewiesene Eintrittspreis auch noch mal ein gutes Stück höher war (105.000 Đong pro Person). Danach landeten wir auf einem großen Platz (dem Hof für die Kaiserlichen Zeremonien) & blickten auf die Halle der Höchsten Harmonie mit ihren roten Säulen & dem goldenen Kaiserthron. Hier drinnen durfte man nicht fotografieren, konnte sich aber ein Video über die Entstehung & den (beginnenden) Wiederaufbau der kaiserlichen Zitadelle ansehen.

Wie so viele andere Stätten in Vietnam blieb auch die Kaiserstadt im Vietnamkrieg nicht verschont. Ganz im Gegenteil: Etliche Gebäude innerhalb der Zitadelle wurden durch die Bombardements während der sogenannten Tet-Offensive zerstört. Inzwischen hat man mit dem Wiederaufbau begonnen, allerdings ist es noch ein weiter Weg, wenn tatsächlich alles wiederaufgebaut werden soll (von 300 Gebäuden stehen nur noch 80!).

Die gesamte Anlage wurde nach den Regeln des Phong Thuy (chin. Feng Shui) erbaut & ist riesig – nicht nur die kaiserliche Zitadelle, sondern auch das Gelände drumherum. Wir liefen zum Teil etwas planlos umher, da es an vielen Stellen an Schildern oder Beschreibungen mangelt. Wir sahen auch ein paar Gruppen mit Guide – eventuell empfiehlt sich das hier, wenn man mehr erfahren möchte & einen guten Guide erwischt.

Am Ende unseres Rundgangs fanden wir schließlich doch noch einen Raum mit ausführlichen Informationen zu den verschiedenen Kaisern, die hier residierten. Insgesamt eine wirklich beeindruckende Anlage – wie schön muss es hier erst ausgesehen haben, als noch der Großteil intakt war.

Anschließend liefen wir – durch die sengende Hitze – noch zum The-To-Tempel & zum Hien-Lam-Pavillon.

Ziemlich erschöpft von der Hitze machten wir uns schließlich auf den Weg zum Ausgang. Dieser befindet sich übrigens am Osttor (Cửa Hiển Nhơn) – also ziemlich genau am anderen Ende von unserem aktuellen Standort. 😉

Durch das viele Herumlaufen machte sich auch allmählich der Hunger bemerkbar, so dass wir uns auf die Suche nach einem Lokal machten, möglichst mit Klimaanlage oder Ventilator. Zunächst mussten wir unsere Räder vom Parkplatz abholen – bis wir dort ankamen, hatten wir wieder zig Rikschafahrer abzuschütteln. Mit unseren Rädern hatten wir dann aber Ruhe vor solchen Angeboten. Wir fanden ein kleines vegetarisches Restaurant (Bo De Quan) in der Nähe der Zitadelle, wo wieder keiner wirklich Englisch verstand. Für die Bestellung wurde ich kurzerhand in die Küche gebeten, um aus den dort herumstehenden Schüsseln mit verschiedenem Gemüse, Nudeln & Reis etwas für uns auszuwählen. Großartig! 🙂 Das Essen war sehr lecker & sehr, sehr günstig!

Anschließend radelten wir noch mal zum Einkaufszentrum & gönnten uns ein Eis im klimatisierten Lotteria (so eine Art McDonald’s oder Burger King). Von da aus ging es zum Bahnhof. Bereits am Samstag hatten wir hier Zugtickets kaufen wollen, aber niemanden am Schalter angetroffen. Heute ein neuer Versuch. Beim Schlangestehen drängelten sich wieder einige Leute vor (ausschließlich Einheimische), aber egal. Wir würden schon noch Tickets für Mittwoch nach Hanoi bekommen. Das war auch so – allerdings nicht für die gewünschte Klasse. Wir wollten gern soft sleepers, bekamen aber nur hard sleepers – zwar für die untersten Liegen, nur waren die letztlich sogar etwas teurer als die oberen Liegen bei den soft sleepers (die uns vollkommen gereicht hätten, jedoch ausgebucht waren). Schade, aber das ließ sich nun nicht ändern. Dafür hatten wir Plätze in dem Zug bekommen, den wir nehmen wollten. 🙂

Mittwochnachmittag würde es nun nach Hanoi gehen. Wir hatten also noch einen vollen Tag in Huế, den wir gern mit einem Ausflug in den Bach-Ma-Nationalpark füllen wollten. Im Internet hatten wir von ein paar Touren gelesen, aber da hieß es immer, dass sich diejenigen ein Auto mit Guide oder Mopeds gemietet hatten, wobei letztere dann im Nationalpark selbst nicht damit fahren durften, sondern stattdessen eine sehr teure Busfahrt machen sollten (die so viel kostete, wie andere für Auto & Guide bezahlt hatten). Das klang wieder nach einer Herausforderung. 😉 Auf dem Weg zum Bahnhof hatten wir bereits in einem kleinen Reisebüro nach einer Tour in den Nationalpark gefragt, die wollten allerdings das Doppelte dessen, was wir ausgeben wollten (wir hatten uns ein Limit von 1,2-1,5 Mio. Đong gesetzt). Vom Bahnhof aus radelten wir nun ins Backpackerviertel & sahen uns dort ein wenig um. Im 4. Reisebüro (Impressiveland Travel) hatten wir endlich Glück: Hier wurde uns eine Tour angeboten, die genau zu unseren Vorstellungen passte – kleine Gruppe bis max. 10 Leute, inkl. Guide, Verpflegung, tolle Route usw. Und das alles für 600.000 Đong pro Person. Wir schlugen also zu & sollten am nächsten Tag zwischen 7 und 7:30 Uhr am Hotel abgeholt werden. Prima! Wir sind gespannt. 🙂

Inzwischen war es bereits nach 16 Uhr. Da wir nun morgen definitiv die Tour machen würden, wollten wir heute noch unbedingt zur Pagode der Himmlischen Frau (Thien-Mu-Pagode), dem Wahrzeichen von Huế. Diese befindet sich ein paar Kilometer außerhalb der Stadt, so dass es sich anbot, mit den Rädern noch dorthinzufahren. Gesagt, getan! Teilweise war der Verkehr wieder sehr chaotisch, aber irgendwie geht es immer. 😉 Der Großteil der Strecke führt am Parfümfluss entlang – ganz schön also. Sobald wir uns der Pagode näherten, hörten wir von allen Seiten wieder Rufe, dass wir unsere Fahrräder hier abstellen müssten (kostenpflichtig natürlich), um dann zur Pagode zu gehen. Och nö, darauf haben wir grad keine Lust. Wir fuhren einfach ein Stück weiter, an der Pagode vorbei & stellten dort unsere Räder kostenlos neben vielen Mopeds ab. 😉

Die Pagode ist mit ihrem siebenstöckigen Turm die höchste Vietnams.

Hinter dem Turm befindet sich ein Tor mit diversen Statuen sowie eine riesige Glocke, die Klosteranlage mit Bonsaigarten & eine Garage. Hier steht ein alter Austin & an der Wand hängt ein Foto, das 1963 um die Welt ging: Es zeigt die Selbstverbrennung eines Mönches aus Protest gegen die Buddhistenverfolgung. Er hatte sich mit diesem Auto bis zu einer Straßenkreuzung in Saigon fahren lassen, um sich dann mit Benzin zu übergießen & anzuzünden. Sehr krass!

Im Bonsaigarten legten wir noch eine kleine Pause ein (angenehm ruhig hier), bevor wir uns auf den Rückweg begaben.

In unserem Hotel hatten wir von der Rezeptionistin erfahren, dass heute ein großer Umzug durch die halbe Stadt ziehen würde & wir daher möglichst vor 19 Uhr zurück sein sollten. Für den Umzug würden nämlich viele Straßen für den Verkehr gesperrt werden & dann könne man nur noch zu Fuß durchkommen. Es war erst gegen halb 7, als wir wieder am Einkaufszentrum ankamen, aber der Umzug war bereits in vollem Gange. Da wir nicht zum Eingang des Einkaufszentrums gelangten (der war auf der anderen Straßenseite), stellten wir unsere Fahrräder am Straßenrand ab & gesellten uns unter die Zuschauer. An dem Umzug beteiligten sich unheimlich viele Menschen – gefühlt mehr, als es Zuschauer gab.

Wir verfolgten das Treiben eine Weile, um dann eine Lücke zu nutzen, schnell die Straße zu überqueren & noch einkaufen zu gehen. Wir hatten uns überlegt, heute mal nicht essen zu gehen, sondern uns Sandwichscheiben & Käse sowie etwas Obst & Saft zu kaufen. Und dann gleich so viel, dass es noch für das Frühstück morgen reichen würde. Gute Idee, denn das Resultat war sehr, sehr lecker, aber gleichzeitig war es auch ein sehr teures Vergnügen. Wir haben sicher drei Mal so viel bezahlt wie für Abendessen & Frühstück auswärts. 😉

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