Niagarafälle im Regen

Am Montag machten wir uns vormittags also auf den Weg zum Flughafen. Wie, schon wieder? Na ja, nur, um dort unseren Mietwagen abzuholen. 😉 Bei der Buchung konnten wir lediglich den Flughafen als Station auswählen, obwohl es sicher auch genügend in der Innenstadt gibt.

Ab 11 Uhr sollte das Auto abholbereit sein. Wir kamen allerdings etwa eine halbe Stunde später an, was aber kein Problem war. Bei Alamo (dem Anbieter vor Ort) wurden wir sogar auf Deutsch betreut. Zwar war der Mitarbeiter nicht so sehr freundlich (sonst hätte er nicht nur gefragt, ob ich auch als Fahrer eingetragen werden möchte, sondern uns auch darauf hingewiesen, dass es nichts extra kostet, wie es eigentlich bei der Buchung hieß – besonders, weil ich auch nachgefragt hatte), aber egal. Wir hätten noch einige Extras (Navi, Vollkasko, größeres Auto etc.) hinzubuchen können, wollten wir aber nicht. Nach dem „Check-in“ begleitete uns eine andere Mitarbeiterin zu den Autos der Kompaktklasse (die Kategorie hatten wir gebucht) & stellte uns 4 Autos zur Wahl: 2 Nissan Sentra, 1 Hyundai, 1 Fiat 500. Wir entschieden uns für einen der Nissans. Das Auto wurde noch auf Kratzer oder Beulen überprüft & dann durften wir los, nachdem wir auch noch eine weitere Mitarbeiterin an der Schranke passiert hatten.

Unser erstes Ziel sollten ja die Niagarafälle sein (wie bereits erwähnt), also fuhren wir in diese Richtung. Eigentlich sind es nur etwa 1,5 h von Toronto aus, wir brauchten jedoch gut 4 h. Das lag nicht nur an den vollen Straßen rund um Toronto, sondern auch an unserem zweistündigen Stopp in einem Supermarkt unterwegs. Da es unser Budget nicht erlaubt, jeden Abend Essen zu gehen (& wir das auch nicht wollen), mussten ein paar Lebensmittel gekauft werden.

Über unsere WikiCamps-App hatten wir uns den Pleasant Beach Campground als ersten Übernachtungsort herausgesucht. Hier fanden wir ein schönes Plätzchen, bauten unser Zelt auf & gingen dann zum Strand. Noch war es ziemlich heiß & drückend. Für spätestens morgen war Regen angesagt. Es fühlte sich aber jetzt schon danach an, als würde es bald noch gewittern.

Am Strand & auf dem nahe gelegenen Lake Erie war einiges los: Stehpaddler, Jetskis, Surfer (wobei gerade kein Wind war, was das Surfen eher schwierig machte), Frisbee wurde auch gespielt. Wir setzten uns in den Sand & genossen den Ausblick auf den riesigen See.

Zurück auf dem Campingplatz aßen wir zu Abend & versuchten, uns die Mücken vom Leib zu halten (was trotz Citronella-Kerze & neu erworbenem Mückenschutz namens „Off!“ nur mäßig gelang – gefühlt wirkte das „Aeroguard“ aus Neuseeland besser, aber wir werden das weiter beobachten). Ab 21 Uhr wurde das zu schwierig, so dass wir uns ins Zelt zurückzogen. Kurz darauf fing dann auch das (schon vermutete) Gewitter an… Und der Regen! Es schüttete wie aus Eimern! Ich kann mich nicht erinnern, wie lange das Gewitter andauerte, aber gut 2 h später, als ich mein Buch weglegte, um zu schlafen, blitzte, donnerte & regnete es immer noch heftig.

So ging es dann auch am nächsten Morgen weiter – zumindest mit dem Regen (& warm war es auch noch). Glücklicherweise war unser Zelt dicht geblieben. Erster Härtetest also bestanden. 🙂

Hmm, der Regen war nicht wirklich praktisch, da wir uns ja heute die Wasserfälle ansehen wollten. Aber es nützte nichts – wir haben nicht ewig Zeit. Kurz vor Mittag fuhren wir los & waren dann auch schon eine gute halbe Stunde später auf einem der diversen Parkplätze angekommen. Bei der Wahl des Parkplatzes („Rapids View“) hatten wir wohl Glück – er kostete nur 10 CAD inkl. Shuttle zum „Table Rock“, also zu den Fällen. 🙂

Der Shuttlebus („Green Line“ von WeGo) fuhr uns bis zum Visitor Center. Von hier aus fahren auch noch diverse andere (kostenpflichtige) Linien, so dass sich weitere Attraktionen rund um die Wasserfälle schnell & einfach besuchen lassen.

Als erstes gelangten wir zu den so genannten „Horseshoe Falls“ (Hufeisenfälle). Das ist auch der Teil der Niagarafälle, den man von Bildern kennt. Sie befinden sich größtenteils auf kanadischer Seite & tosen auf einer Länge von über 600 m mit beeindruckender Macht & ca. 154 Mio. Litern/Minute etwa 50 m in die Tiefe. Diese Wassermenge entspricht wohl etwa 1 Mio. Badewannen – pro Minute!

Das Wetter ließ zunächst reichlich zu wünschen übrig, aber wir schlenderten trotzdem tapfer den Weg entlang, um noch einen besseren Blick auf die Fälle zu erhaschen. Neben den Horseshoe Falls gibt es noch die American Falls (ein gerader Abschnitt, an dem der Niagara River etwa 25 m in die Tiefe stürzt, auf amerikanischer Seite) und die Bridal Veil Falls, die eigentlich zu den amerikanischen Fällen gehören, aber – wie der Name schon sagt – etwas abgetrennt davon als schmaler Schleier ausgeformt sind. All das lässt sich wunderbar von kanadischer Seite aus betrachten. 🙂

Einen großen Vorteil hatte das bescheidene Wetter – es war relativ „leer“. Natürlich waren hier einige Besucher, aber es soll wohl sonst – bei schönem Wetter (& zu dieser Jahreszeit) – noch deutlich schlimmer sein, was man so hört. Schlange stehen mussten wir dennoch. Wir wollten nämlich die „Journey behind the Falls“ machen, uns also die Fälle von hinten ansehen & auf eine Aussichtsplattform, um die Fälle von weiter unten zu bestaunen. Der Spaß kostete 18,93 CAD (inkl. Steuern) pro Person. Es gibt hier noch diverse andere Attraktionen (Bootsfahrt, Helikopterflug, Seilbahn etc.) & auch verschiedene Pässe (Adventure Pass, Nature Pass usw.), mit denen man dann „spart“, aber nur, wenn man tatsächlich mehr als 2 Touren/Unternehmungen davon machen möchte.

Die nächste freie Tour war erst in einer Stunde möglich, so dass wir uns noch im Visitor Center umsahen & eine kleine Kekspause einlegten. 14:40 Uhr ging es dann für uns los – an die erste Schlange & die erste Ticketkontrolle. Während des Wartens konnten wir auf ein paar Tafeln etwas zur Geschichte der Fälle erfahren & wurden kurz darauf zum zweiten Mal zum Vorzeigen des Tickets aufgefordert. Dann warteten wir erneut – diesmal an einer noch längeren Schlange. Kaum angestellt, durfte man fix einen „Affen“ anlächeln („Look at the monkey and smile please.“) & wurde geknipst, sobald man auch nur irgendwie eine Position vor der grünen Wand (Green Screen) eingenommen hatte. Später (in der Schlange) konnte man sich Regencapes (in verschiedenen Größen) geben lassen & wurde zum dritten Mal kontrolliert (hier wurde dann auch ein Abschnitt abgerissen). Bald darauf hatten wir unser nächstes Ziel erreicht – den Fahrstuhl. 😉 Mit dem ging es 38 m in die Tiefe & von hier aus in ein kleines Tunnelsystem, das bereits Ende des 19. Jh. in den Fels hinter den Wasserfällen geschlagen wurde. Ein Tunnel führte direkt zur Aussichtsplattform, ein weiterer hinter den Fällen entlang. An 2 Stellen zweigte von diesem jeweils eine weitere Röhre ab, die einen Blick auf die Wassermassen bot (man sah eigentlich nicht viel durch die Öffnung – nur vorbeirauschendes Wasser – wie das eben hinter einem Wasserfall aussieht, aber dafür durften wir wieder Schlange stehen – yeah! 😉 Nur Spaß! Es war nicht so schlimm, wie es jetzt vielleicht klingt!). In den Gängen hingen wieder einige Tafeln mit allerlei Infos über die Wasserfälle, die auch durchaus lesenswert sind. Das eigentliche Highlight für uns war dann aber tatsächlich die Plattform mit Blick auf die Horseshoe Falls. Und was für einer! Es regnete gerade nicht, sondern war sogar etwas heller geworden. Die smaragdgrünen Wasserfälle leuchteten noch intensiver. Sehr beeindruckend! Allein dafür hatte sich das Warten & Anstehen gelohnt. 🙂

Im Anschluss daran fuhren wir mit dem Fahrstuhl wieder nach oben, hätten für knapp 30 CAD zwei Fotos von uns „vor den Wasserfällen“ erwerben können (taten wir aber nicht) & liefen noch einmal auf dem Weg entlang, um die Wasserfälle noch ein letztes Mal ohne Regen zu bestaunen. Wirklich sehr, sehr schön! (Fotos folgen…)

Mit dem Shuttle kehrten wir zum Auto zurück & fuhren – mit einem kurzen Zwischenstopp im Supermarkt – in den nahegelegenen Ort Niagara-on-the-Lake. Der Niagara River verbindet die beiden Seen Erie & Ontario miteinander. In Höhe der Niagarafälle befindet sich sowohl auf kanadischer als auch US-amerikanischer Seite je eine Ortschaft gleichen Namens (Niagara Falls) & am Ontario-See liegt das besagte kleine historische Städtchen Niagara-on-the-Lake. Das ist zwar auch recht touristisch & wirkt irgendwie etwas künstlich, aber wir machten dennoch einen kleinen Spaziergang durch den Ortskern & zum See. Es war nicht zu voll & daher wirklich recht beschaulich.
Nach etwa 45 min Fahrt mit dem Auto waren wir wieder auf dem Campingplatz angekommen & genossen unser Abendbrot bei etwas Sonnenschein. Ohne Mückenschutz war es aber nicht auszuhalten – ab kurz nach 21 Uhr mussten wir unseren Platz draußen am Picknicktisch wie schon am Vorabend räumen. Die Mücken waren zu aggressiv & kaum fernzuhalten.

Alles in allem war das jedoch auch wieder ein ganz wunderbarer Tag (bzw. eigentlich ja zwei Tage). Morgen wollen wir zum Point Pelee, dem südlichsten Punkt Kanadas. 🙂

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4 Antworten zu Niagarafälle im Regen

  1. shutterbugsgaze schreibt:

    Das hätte ich auch zu gern gemacht ;D

  2. D-Cook schreibt:

    Fotos, ich will Fotos. 🙂

    • julinico schreibt:

      Jaaa, wir wollen auch gern welche zeigen, aber das Internet über die SIM-Karte ist sooo langsam… Es reicht bisher nur für Texte (selbst surfen im Internet ist zuuu schwierig). Vermutlich wird das mit den Fotos erst was, wenn wir wieder daheim sind. 😉

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