Eine Zugfahrt, die ist lustig… – Ausflug in den Agawa Canyon

Am Richmond Lake gefiel es uns wirklich gut (mal abgesehen von den etwas nervigen Mücken und Bremsen?), aber wir mussten weiterziehen. Es gibt ja noch so viel anderes zu sehen… Also bauten wir unser Zelt am Sonntag Morgen wieder ab & begaben uns auf den Trans-Canada-Highway Richtung Nordwesten.

Bis zur Ankunft in Sault Ste. Marie (gesprochen: Suu(d) Sänt Märie) legten wir ca. 460 km zurück, meist mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Die Fahrt dauerte gut 5 h – mit einer kleinen Unterbrechung im „Blind River Plaza“. Das klingt zwar ganz hochtrabend, war aber nur eine kleine Raststätte mit einem Lebensmittelladen, einem KFC (unsere Rettung – hier konnten wir die Toilette nutzen!) und einem Bankautomaten.

In Sault Ste. Marie suchten wir erst mal nach dem „Agawa Canyon Tour Train“ bzw. dem zugehörigen Bahnhof. Wir wollten uns gern den (ca. 180 km entfernten) Agawa Canyon ansehen, den man (laut Reiseführer) nur mit dem Zug erreicht. Zwar liegt die Befürchtung nahe, dass das Ganze sehr touristisch wird, aber wir werden sehen. 😉

In der Stadt waren verschiedene Attraktionen gut ausgeschildert, auch der Tour Train – kurz vor dem Ziel verpassten wir aber wohl an einer Stelle ein Schild, so dass wir doch ein wenig umherirrten, bis wir den Ticketverkauf & „Bahnhof“ erreichten (direkt neben einem Walmart, im Übrigen). Hier gibt es nur ein Gleis, das man auch leicht übersehen kann – vor allem, wenn gerade kein Zug darauf steht oder fährt. 😉

Die Tickets waren recht schnell erworben & wir jeder genauso schnell 92 CAD (inkl. Steuer) los. Nun herrschte aber auch Ebbe im Portemonnaie, so dass wir erst mal noch eine Bank ansteuern mussten. Außerdem brauchten wir noch ein paar Sachen für das Abendessen. Diese Wege waren ebenfalls rasch erledigt & wir fuhren zu unserem auserkorenen Campingplatz für die nächsten beiden Nächte: Glenview Cottages RV Park & Campground – etwa 12 km nördlich von Sault Ste. Marie gelegen.

Wie sich herausstellte, war das eine ziemlich gute Wahl. Die Eigentümerin war extrem freundlich, der Campingplatz zwar relativ klein (& nahe des Highways), aber sehr schön angelegt & es gab WiFi (inklusive, aber dafür keinen oder nur selten Handyempfang – na ja, man kann eben nicht alles haben 😉 ). Außer dem eigentlichen Campingplatz findet man zahlreiche kleine Hütten (Cottages), die man mieten kann, einen Pool (sehr sauber & gepflegt), einen Spa- & Saunabereich (der allerdings gerade außer Betrieb ist – wohl auch eher was für den Winter) & einen Laundry Room (eine Art Waschküche). Der war mit 2 Waschmaschinen & 2 Wäschetrocknern bestückt, die jeweils mit 6 x 25-Cent-Münzen betrieben werden können. Sehr gut! 🙂

Während Nico das Zelt aufbaute, wanderte ich erst mal wieder zum Laundry Room & füllte eine der beiden Waschmaschinen. Mit einem Ehepaar aus Florida, die gerade irgendwas im Trockner hatten, kam ich ins Gespräch & wir unterhielten uns eine ganze Weile. Sie sind Anfang Mai Rentner geworden & seit 20. Mai mit ihrem Trailer unterwegs. Im Oktober wollen sie wieder zurück in Florida sein. Die beiden hatten ein paar Tipps, wo man hier gut essen könne & dass man für die Zugfahrt (ich hatte gefragt, ob sie die auch schon gemacht hätten) lieber sein eigenes Essen mitnehmen sollte, da im Zug alles sehr teuer & die Fahrt doch recht lang sei (4 h hin & 4,5 h zurück plus 1,5 h Aufenthalt im Canyon).

Nach dem Abendessen (heute mal wieder Brot mit Käse & Aufstrichen) bereiteten wir auch gleich noch unser Frühstück & ein paar Snacks für morgen vor. Als die Sonne hinter den Bäumen verschwand, wurde es schnell recht frisch (oder auch „schattig“ 😉 ) & die Mücken wieder munter. Gegen 22 Uhr waren wir im Zelt verschwunden & lasen noch ein wenig (Nico im Internet, ich in einem meiner Bücher).

Der Wecker am nächsten Morgen ging (zu) früh an. 6:20 Uhr war die Nacht schon wieder vorbei. In gut einer Stunde sollte bereits Boarding sein. Wir verschwendeten daher keine Zeit & erreichten den Bahnhof gerade pünktlich zur Einfahrt des Zuges. 🙂

Auf den Tickets war lediglich festgelegt, in welchen Wagen man sich begeben sollte (in unserem Fall Nummer 2). Dort war dann freie Platzwahl. Erstaunlicherweise war der Zug nicht so sehr voll, so dass wir sogar eine Vierer-Sitzgruppe für uns hatten & damit beide einen Fensterplatz. Cool!

Während der gut 4-stündigen Hinfahrt gab es immer wieder Durchsagen (vom Band) zu hören & ein paar Bilder & Videosequenzen auf den Monitoren (die im gesamten Wagen verteilt waren) zu sehen, über die man etliche Hintergrundinformationen über die Region & ihre Geschichte erfuhr. Die Landschaft, die wir durchquerten, war wirklich sehenswert – viele Seen, Wälder, Brücken, ein riesiger Staudamm. Und je näher wir dem Agawa Canyon Park kamen, desto schöner wurde es.

Wir (besonders Nico) hielten uns – verbotenerweise – auch ab und an in den Bereichen der Ausgangstüren auf. Den oberen Teil der Tür konnte man öffnen & dann hervorragend Fotos machen. Viel besser als mit einer Scheibe zwischen Linse und Landschaft. 😀

[Apropos Fotos: Da möchte ich kurz einwerfen (da die Frage schon aufkam) – derzeit ist es sowohl zeitlich als auch technisch (erinnert euch an die eingeschränkte Internetverbindung über die SIM-Karte) nicht so einfach bzw. nicht möglich für uns, Fotos (zusammenzustellen &) hochzuladen. Das wird wohl noch bis zu unserer Rückkehr dauern. Sorry! Bis dahin müsst ihr mit unseren Texten Vorlieb nehmen. 😉 ]

Gegen 12:35 Uhr kamen wir dann endlich im Canyon an. Zum Ende der Fahrt ging es noch mal über 150 m Höhenmeter auf einer Strecke von 12 Meilen nach unten (das entspricht einem Gefälle von 1,3 %, was wohl im Bahnverkehr sehr steil ist). Kurz vor der Ankunft konnte man Lake Superior (der größte der 5 Great Lakes) & den Highway in der Ferne ausmachen. Wow! Der See ist sehr beeindruckend!

Im Agawa Canyon Park hatten wir knapp 80 min Zeit, bevor wir wieder an Bord des Zuges sein mussten. Hier gibt es einige Wanderwege – zu einem Lookout & zu zwei Wasserfällen. Noch während der Fahrt wurde mindestens 2 Mal darauf hingewiesen, dass der Aufstieg zum Lookout sehr (!) anspruchsvoll & nur etwas für sportliche Menschen sei & über 300 Stufen beinhalte. (300 Stufen? Das ist doch nichts im Vergleich zu den über 5.000 Stufen am Adam’s Peak in Sri Lanka im letzten Jahr 😉 – zugegeben, da hatten wir auch etwas mehr Zeit als jetzt.)

Wir wollten in jedem Fall zu dem Lookout & begaben uns daher als erstes auf den Weg dorthin. Angegeben war die Zeit dafür mit 40 min hin & zurück (wir benötigten etwa 10 min für den Aufstieg & hätten es sogar als erste bis auf die Plattform geschafft, allerdings hat Nico unterwegs seine Sonnenbrille verloren & musste eine kleine Extra-Kletterrunde einlegen). Die Aussicht von oben war fantastisch! Ein wunderbarer Blick auf den Agawa River, der sich hier durch die Schlucht windet. Das hatte sich schon mal gelohnt! Und das Wetter war uns mehr als gewogen – Sonne, blauer Himmel, Schäfchenwolken, locker 25 Grad. Herrlich!

Nach dem Lookout erwanderten wir noch die Wasserfälle. Zunächst liefen wir zu den Black Beaver Falls, die zweigeteilt sind in North & South Falls, dann weiter den Fluß entlang bis zu den Bridal Veil Falls. Wunderschön!

13:55 Uhr war dann wieder Abfahrt. Ich nutzte die Zeit bis zur letzten Minute aus, um auch noch ein paar Motive vom Zug selbst einzufangen – ohne größere Menschenmengen (die waren ja schon wieder im Zug 🙂 ).

Auf der Rückfahrt war es dann relativ ruhig im Zug. Einige waren erschöpft & dösten vor sich hin, andere nutzten das Angebot im Speisewagen. Ich schrieb Blog 😉 & las ein wenig.

Übrigens: Wenn gerade keine Videos/Bilder über die Monitore flimmerten, lief eine Live-Übertragung der „schönsten Bahnstrecken Kanadas“! 😀 Nein, Spaß… Offensichtlich sind die Loks (jeweils eine an jedem Ende) mit Videokameras ausgestattet & es wird gezeigt, was gerade vor uns liegt (im Wesentlichen Gleise 😉 ).

Nach nur knapp 4 h Fahrt kehrten wir wieder in Sault Ste. Marie ein, schnappten uns unser Auto & fuhren auf direktem Wege wieder zum Campingplatz. Hier wehte ein etwas kräftiger Wind, so dass es trotz dieses traumhaften Wetters ganz schön kühl war. Nico wollte endlich mal ein Feuerchen machen & suchte zunächst Feuerholz. Auf den Campingplätzen kann man das eigentlich immer käuflich erwerben, aber das wäre ja zu einfach & auch deutlich teurer. Er wurde auch recht schnell fündig – ein verdorrter Baum wurde kurzerhand zerlegt & landete im Feuerring. Ausdauernd brennen wollte das Feuer nicht auf Anhieb, aber ein benachbarter Camper hatte noch glühende Kohle vom Grillen übrig, die er fix darüber schüttete, & schon stand dem ungetrübten Feuergenuss nichts mehr im Wege. 🙂

Nach dem Abendessen suchten wir alsbald wieder unsere wärmenden Schlafsäcke auf (über Nacht sind hier etwa 10 Grad) & werden sicher auch schon bald schlummern.

Morgen geht es den Trans-Canada-Highway wieder zurück bis Höhe Sudbury. Hier steht dann der Killarney Provincial Park auf dem Programm.

Ach ja, in Sudbury steht der höchste Schornstein der Welt – 381 m! Den haben wir auf der Herfahrt schon von weitem bestaunt, als wir an Sudbury vorbeifuhren. Morgen werden wir den sicher wieder sehen. 😉

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