Wo sich Elche & Bären gute Nacht sagen… – Im Algonquin Provincial Park

Was haben wir am Donnerstag wohl gemacht? Ihr werdet es euch sicher denken können… Genau, wir sind weitergezogen. Also, das übliche Programm: Zelt abbauen, frühstücken, duschen, Abfahrt!

Unser Ziel sollte der Algonquin Provincial Park sein. Benannt nach einem Indianerstamm, wurde er bereits 1893 gegründet (in erster Linie nicht als Erholungsgebiet, sondern um die Interessen der Holzindustrie zu wahren – hier wurde & wird zum Teil immer noch jede Menge Holz geschlagen) & ist das älteste & zweitgrößte Schutzgebiet Ontarios.

Unser Weg dahin führte uns erneut durch Sudbury. Hier tätigten wir unsere Einkäufe (wieder im Independent), füllten den Tank des Autos auf & an der Bank auch unsere Portemonnaies, in denen schon wieder Ebbe herrschte. Von Sudbury aus waren es noch 280 km & damit gut 3 h bis zum Park. Teilweise war es recht voll auf den Straßen & der Verkehr stockte etwas, aber im Grunde verlief die Fahrt sehr entspannt.

Wir erreichten das West Gate kurz nach 17 Uhr & erkundigten uns hier gleich im Office nach Campingplätzen. Reserviert hatten wir nämlich nichts, aber da wir auch keinen Strom brauchen, versicherte uns der Mitarbeiter, dass es kein Problem sei, noch eine Campsite zu finden. Die 9 Campgrounds, die es im Park gibt, verfügen alle über eigene Büros, bei denen man sich einfach erkundigen kann. Er empfahl uns gleich noch 2 Campingplätze, die er selbst gut findet, & wir saßen kurz darauf wieder im Auto – guter Dinge, dass wir noch einen schönen Platz finden würden. 🙂

Ein paar Kilometer weiter sahen wir ein Auto am Straßenrand stehen & ein Pärchen, das irgendwas fotografierte. Was gab es denn hier außer Wald zu sehen? Als wir die beiden passierten, sahen wir es auch: eine Elchkuh! Leider hatte ich die Kamera nicht so schnell bereit… Wir wollten auch nicht extra anhalten. Aber schon ein paar hundert Meter weiter standen wieder Autos am Straßenrand & noch mehr Leute daneben… Diesmal war ein Elchbulle unterwegs & den habe ich auch mit der Kamera erwischt. Ganz schön groß, die Elche! 🙂

Kurz darauf erreichten wir den Canisbay Lake Campground (eine der Empfehlungen) & erkundigten uns nach einem freien Platz für 3 Nächte. Überhaupt kein Problem! Die Mitarbeiterin nannte uns ein paar verfügbare Campsites & bot uns an, die erst mal anzusehen & uns dann zu entscheiden. Wir machten uns mit Karte & Zettel bewaffnet auf den Weg & inspizierten die Stellplätze (natürlich mit dem Auto – allein dieser Campground hat über 200 Sites). Übrigens konnten wir das schon häufiger so machen – erst mal eine Runde über den Platz drehen & uns eine schöne Stelle aussuchen. Nur zu empfehlen! Wenn das nicht angeboten wird, kann man auch ruhig danach fragen. Es wird niemand etwas dagegen haben, denke ich.

Wir entschieden uns für Campsite 98 & bezahlten für 3 (diesmal nicht nur 2!) Nächte. Da waren wir auch direkt 133,06 (bzw. 133,05) CAD los. Verrückt! Okay, dieser Preis würde auch für bis zu 6 Personen (mit 1 Fahrzeug & auf 1 Stellplatz) gelten. Dann ist das gar nicht so teuer, aber wir sind nur zu zweit. 😉

Das Zelt war auch wieder recht zügig aufgebaut, allerdings ist der Boden hier recht steinig, so dass ein paar Heringe mit etwas mehr Gewalt (also mithilfe eines Steins) in den Boden getrieben werden mussten. Aber Nico hat das natürlich hinbekommen, während ich mich um die „Innenausstattung“ kümmerte. 😉

Zum Abendessen hatten wir Brot, Aufstriche, Möhren, Gurke & Dips. Sehr lecker! Halb 9 wurde uns der Kampf gegen die Mücken aber zu mühsam, so dass wir allmählich den Rückzug (ins Zelt) antraten. So zeitig geh ich eigentlich nie ins Bett (es sei denn, ich bin krank), aber man kann ja auch im Zelt noch lesen und/oder Blog schreiben. 😉

Am nächsten Morgen kam, während wir gerade beim Frühstück am Picknicktisch saßen, der Ranger („Park Warden“) vorbeigefahren & hielt an jeder Bucht an (die Campsites sind teilweise recht groß & alle als separate Buchten angeordnet), um mitzuteilen, dass nachmittags (14:30 Uhr) auf dem Campingplatz am Strand eine Infoveranstaltung („Bear Awareness“) zu den hier heimischen Black Bears (Amerikanische Schwarzbären) stattfinde & man ruhig vorbeischauen solle, wenn man Zeit hätte. Das klang gut! Vielleicht können wir das irgendwie in unseren Tagesablauf einplanen?! Wir werden sehen…

Weil das beim letzten Mal so gut geklappt hatte, wollten wir heute auch wieder im Campground Office nachfragen, welche der insgesamt 16 Wanderungen denn besonders zu empfehlen seien. Zwar hatte die Mitarbeiterin selbst noch nicht so viele gemacht, so dass sie eher vom Hörensagen Empfehlungen geben konnte, aber das half uns ja auch schon mal weiter. Laut ihrer Aussage war der „Track & Tower Trail“ sehr beliebt. Wenn man dann noch Lust & Zeit hätte, könnte man den kurzen „Lookout Trail“ machen (den sie selbst auch schon gemacht hatte).

Zurück am Auto erfuhren wir auch endlich, was die Aussage „You’re in bear country“ oder auch das Schild „Bear in the area“, das hier direkt neben dem Office steht, bedeutet: Nico sah ein paar Leute auf dem Parkplatz stehen, die alle in eine Richtung schauten… Und was sahen sie? Und wir dann auch? Einen Schwarzbären! Aufregend! Der trottete am Waldrand so vor sich hin – sicher auf der Suche nach Futter. Kurz darauf war er aber schon wieder im dichten Dickicht verschwunden & das Spektakel vorbei. 😉

Total euphorisch (wir hatten unseren ersten größeren Bären in freier Wildbahn gesehen!) machten wir uns auf den Weg zu unserer ersten heutigen Wanderung – den „Track & Tower Trail“. Der ist knapp 8 km lang & man solle bis zu 4 h dafür einplanen. Er beginnt unweit unseres Campingplatzes bei Kilometer 25 (das West Gate zählt im Park als Kilometer 0 entlang des Highway 60), so dass wir nicht weit fahren mussten.

Eingesprüht mit „Deep Woods“ von Off! waren wir bereits seit dem Frühstück (& hatten das andere, etwas schwächere Off!-Produkt dabei), legten aber noch Sonnenschutz auf (heute erneut bestes Sommerwetter) & schon ging es los. Als erstes kamen uns in Abständen mehrere Wanderer entgegen, die voll ausgestattet waren: Wanderschuhe, Wandersachen, Hut mit Moskitonetz etc. Ich in kurzen Hosen, T-Shirt & Sandalen kam mir irgendwie „underdressed“ vor. Sollte es wirklich so schlimm werden? Glücklicherweise nicht… Später begegneten wir auch „normal gekleideten“ Leuten. 😉

Der Track selbst war wieder gut ausgeschildert – diesmal mit blauen bzw. weißen reflektierenden Scheiben. Er führte hauptsächlich durch Wald… Viel Wald! Es ging hoch und wieder runter… Wir kamen gut ins Schwitzen, passierten unterwegs zwei größere Seen (hatte ich schon erwähnt, dass es im Algonquin Provincial Park rund 1.600 Seen gibt & etwa 10 % der gesamten Fläche des Parks von Gewässern bedeckt ist?) & kamen nach gut der Hälfte der Strecke zu einem wunderschönen Aussichtspunkt. Hier hatte mal ein Feuerturm gestanden – leider wurde der in den 1950er Jahren demontiert. Aber auch ohne Turm war die Aussicht vom Felsen aus auf Wälder & Seen fantastisch!

Für den Rückweg (es ist zum größten Teil ein Rundwanderweg) mussten wir uns etwas beeilen, da wir sehr gern zu der Infoveranstaltung gehen wollten. Etwas nervig an der Wanderung war, dass wir fast ununterbrochen „umschwärmt“ wurden. Umschwärmt zu werden, kann ja durchaus schön sein, aber doch bitte nicht von jedem (!) dahergeflogenen Insekt! 😉

Wir benötigten etwas mehr als 2 h für die gesamte Strecke (inkl. Pause am Aussichtspunkt) & kamen damit gerade rechtzeitig wieder zum Campingplatz zurück. Der Parkplatz am Strand war bereits gut gefüllt.

Just in dem Moment, als wir zum Strand liefen, begann auch schon der Ranger mit der Begrüßung. Es hatten sich wirklich jede Menge Leute eingefunden, darunter auch viele Kinder. Wir erfuhren allerlei Wissenswertes über die heimischen Schwarzbären. Hier im Park gibt es mit etwa 2.000 Exemplaren die höchste Schwarzbärendichte in ganz Ontario. Sie sind natürlich Einzelgänger, halten gut 5 Monate Winterruhe, ernähren sich zu 85 % pflanzlich (fressen aber im Prinzip alles, was ihnen vor die Schnauze kommt) & das Weibchen kann 1-3 Kinder bekommen (die in der Regel im Winter auf die Welt kommen & dann 18 Monate bei der Mutter bleiben).

Ein Großteil der Veranstaltung drehte sich darum, wie man sich verhalten soll, wenn man beim Campen oder Wandern auf einen Schwarzbären trifft. Im Prinzip ergreift ein Schwarzbär sehr wahrscheinlich die Flucht, wenn er auf Menschen trifft, aber wenn er Hunger hat & man Lebensmittel oder Müll herumliegen lässt oder dabei hat, kann er durchaus ungemütlich werden. Essen ist grundsätzlich so zu verstauen, dass der Bär es nicht riecht & auch nicht sieht (die wissen, was eine Kühlbox enthalten kann & wie man die aufkriegt!). Alles, was nur im Entferntesten essbar sein kann, lockt Bären an, auch Zahnpasta oder Deos. Ich könnte hier noch zig andere Dinge aufführen, die wir erfahren haben, möchte euch aber nicht langweilen. 😉

Der Ranger hat das in jedem Fall sehr gut vorgetragen, zum Teil auch vorgespielt. Am Ende gab es noch ein paar Quizfragen, bei denen die Kinder Sticker oder Tattoos erhielten, wenn sie die Antwort wussten. Und man durfte ein Bärenfell anfassen (kuschelig weich!). Und die Erwachsenen konnten sich Informationsmaterial geben lassen (so haben wir das gemacht). Der Besuch einer solchen Veranstaltung lohnt sich also in jedem Fall! 🙂

Im Anschluss daran setzten wir uns wieder ins Auto & fuhren zum „Lookout Trail“ (bei Kilometer 40). Der ist etwa 2 km lang & führt hauptsächlich einen Berg hoch. Oben gab es dann zwei wunderschöne Lookouts, die zum Verweilen einluden. Herrlich!

Zum Abschluss schauten wir kurz im Visitor Center vorbei. Neben einer sehr interessanten Ausstellung (für die wir leider nicht mehr so ganz motiviert waren) sahen wir uns einen 12-minütigen Film über den Algonquin Provincial Park & seine Geschichte an & verbrachten noch etwas Zeit auf der Aussichtsplattform. Das kostenlose WLAN wollten wir ebenfalls nutzen, allerdings funktionierte das nur mittelprächtig, aber wenigstens hatten wir hier endlich mal wieder Handyempfang. 😉

Den Abend ließen wir bei Couscoussalat & einem Feuerchen auf unserer Campsite ausklingen. Für das nötige Feuerholz sorgte Nico (& bekam sogar eine Axt von unserem Campnachbarn geliehen). Fein! So lässt es sich gut aushalten. 🙂

Samstag war unser zweiter Tag hier & diesmal bauten wir noch nicht unser Zelt ab. Mal ganz was anderes! Auch sehr schön! Wir hatten uns auch nichts weiter vorgenommen. Morgens hatte es schon mehrfach etwas geregnet, aber zum Frühstück blieb es trocken.

Danach fuhren wir eine der drei Comfort Stations an – einerseits um zu duschen, aber auch um mal wieder Wäsche zu waschen. Die Waschautomaten schlucken hier 1 CAD & 2 x 25 Cent, die Trockner 2 x 1 CAD. So viele 1-Dollar-Münzen hatten wir zwar gerade nicht, aber ich fragte einen Camper in der Nähe, der mir gern 2 Dollar wechselte. So konnten wir uns den Weg zum Camp Office sparen.

Während sich unsere Wäsche im Trockner drehte, regnete & gewitterte es draußen heftig! Wir hatten kurz zuvor überlegt, heute doch noch eine kleine Wanderung zu machen, aber das hatte sich angesichts dieses Wetters erledigt. Stattdessen steuerten wir, nachdem die Wäsche sauber & trocken war, noch mal das Visitor Center an. Auf diese Idee waren allerdings nicht nur wir gekommen, sondern auch viele andere Besucher. Dementsprechend voll war es hier, aber dennoch relativ entspannt. Wir setzten uns erst mal in den Restaurantbereich & beobachteten Wetter & Leute. Später liefen wir noch mal durch die Ausstellung – heute mit mehr Elan. 😉 Sehr sehenswert & wirklich schön gemacht – sowohl für Kinder als auch Erwachsene. Das (leider nicht zuverlässige, aber kostenlose) WLAN nutzten wir auch noch mal, bevor es dann wieder allmählich zurück zum Campingplatz ging.

Der Regen hatte inzwischen nachgelassen, so dass wir auch noch am Strand vorbeischauten. Es waren tatsächlich ein paar Leute baden – okay, kalt war es ja nicht & ob man nun von oben oder von unten nass wird, macht dann wohl auch keinen Unterschied mehr. 😉

Nach dem Abendessen (erst bei etwas Sonnen-, später dann Kerzenschein) hörten wir ein wenig (aber ganz leise) Musik. Eigentlich dürfte man das in diesem Bereich des Campingplatzes nicht, denn wir stehen mit unserem Zelt in einer „radio & pet free zone“ (Haustiere sind also auch nicht erlaubt). Die Gespräche unserer Nachbarn waren aber zum Teil deutlich lauter als unsere Musik, daher fiel das gar nicht auf. 😉

Wahrscheinlich werden wir uns schon bald ins Zelt begeben. (Die Mücken werden langsam, aber sicher lästiger.) Schön war’s im Algonquin Provincial Park! Elche & Bären haben wir in freier Wildbahn sehen können. Klasse! Morgen geht es in Kanadas Hauptstadt: Ottawa! Wir freuen uns! 🙂

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3 Antworten zu Wo sich Elche & Bären gute Nacht sagen… – Im Algonquin Provincial Park

  1. shutterbugsgaze schreibt:

    Wow 🙂

  2. Eva schreibt:

    Hallöchen ihr beiden! Ich war auch im Algonquin Provincial Park, allerdings 1998! Sehr schöööön!!!! Habe damals im Frühjahr dort im Auto übernachtet, unterwegs mit 2 Studentinnen und es war sogar so kalt, dass die Klamotten noch an der Frontscheibe anfroren…Danach Frühstück in der Sonne. Herrlich!!! Lasst es euch noch weiter gut gehen !!!

    • julinico schreibt:

      Danke dir!! Machen wir (noch)… Geht ja schon bald wieder zurück! Aber schön, von dir zu lesen! Wie geht es euch? Müssen uns unbedingt mal wieder treffen 🙂 seid ganz lieb gegrüßt & bis bald!!

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