Im Herzen Kanadas – Ottawa entdecken

Sonntag Morgen ging der Wecker wieder halb 9 an. Eigentlich nicht zu früh, aber irgendwie doch. 😉 In der Nacht hatte es noch ein paar Mal geschauert & es tropfte immer noch von den Bäumen. Dennoch mussten wir das noch etwas nasse Zelt abbauen (nach dem Frühstück) & weiterziehen.

Nach einem Zwischenstopp in der Comfort Station (Duschen!) ging es – bei bestem Sommerwetter & fast 30 Grad – auf dem Highway 60 weiter durch den Park Richtung East Gate (bei Kilometer 56) & dann noch knapp 200 km, bis wir mal wieder den Trans-Canada-Highway erreichten. Während man auf dem Highway 60 gerade mal höchstens 80 km/h schnell fahren darf, sind es auf dem Trans-Canada-Highway 90 bzw. teilweise sogar 100 km/h (dort, wo er für beide Richtungen zweispurig ausgebaut ist). Das Fahren an sich ist recht entspannt (besonders für mich als Beifahrer 😀 ) – niemand drängelt, alle wirken relaxed. Ganz anders als in Deutschland. 😉

In einem Ort namens Arnprior (etwa 80 km vor unserem heutigen Ziel & knapp 50 km vor Ottawa) deckten wir uns mit Lebensmitteln & Benzin ein & erreichten gegen 16:30 Uhr den Campingplatz „Sleepy Cedars Family Camping“ südlich von Ottawa. Hier wurden wir von einer Truppe älterer Herren in Empfang genommen, einer davon entpuppte sich als der Eigentümer. Nach dem (üblichen) Check-in führte uns seine Frau über das Gelände zum Zeltplatz („tenting area“) – eine riesige Wiese mit mehreren Picknicktischen & Feuerstellen. Alles nur für uns – keine anderen Zelte weit & breit. Der Bereich, wo die Wohnwagen & Camper stehen (größtenteils Dauercamper, wie es aussieht), ist von hier aus noch nicht einmal zu sehen.

Wir hatten also die Qual der Wahl – wo stellen wir unser Zelt auf?! 😉 Wir haben natürlich ein schönes Plätzchen gefunden & kurz nach 5, als das Zelt dann stand, eine kleine Kaffeepause mit Kuchen eingelegt.

Angesichts der vielen Feuerstellen brannte es Nico förmlich unter den Nägeln – hier muss sich doch ein Feuer machen lassen?! Trockenes Holz war schnell gefunden & über kurz oder lang brannte es auch schon lichterloh in einer Feuerschale unweit unseres Stellplatzes. 🙂

Nach dem leckeren Abendessen spazierten wir noch eine Runde über das Gelände. Außer den Dauercampern gibt es hier einen Pool, eine Mini- & eine „Maxi“-Golfanlage, mindestens einen Hasen, ein paar (amerikanische) rote Eichhörnchen, Glühwürmchen, Streifenhörnchen & jede Menge Vögel. Und gegen halb 9 kamen noch zwei junge Leute mit Zelt – sind wir doch nicht mehr allein auf dem Platz hier. 😉

Am nächsten Morgen standen wir bereits kurz nach 8 Uhr auf – einerseits wollten wir nicht zu spät in Ottawa sein, andererseits wurde es auch bereits unerträglich warm im Zelt. Nach dem Frühstück ging es direkt los. Für die knapp 30 km bis Downtown brauchten wir eine gute halbe Stunde. Die Parkplatzsuche gestaltete sich nicht ganz so einfach. Je näher man dem Zentrum kommt, desto kürzer darf man parken (zumindest am Straßenrand). Wir fanden in einer Nebenstraße (Lisgar Street) einen Parkplatz, auf dem wir für 15 CAD bis 20 Uhr stehen konnten. Später haben wir noch mal nachgelöst – für 4 CAD bis 4 Uhr am nächsten Morgen.

Zunächst steuerten wir die Touristeninfo an (die erst kürzlich in die 90, Wellington Street umgezogen ist). Hier bekamen wir etwas Infomaterial zu Self-guided Walks (Touren auf eigene Faust), einen Stadtplan & außerdem Tickets für eine geführte Tour im Parlament. Die nächste freie Tour (in englischer Sprache, französisch würde natürlich auch angeboten) im so genannten Centre Block war 14:45 Uhr. Bis dahin hatten wir noch gut 3 Stunden Zeit. Alle Touren im & rund um das Parlament sind übrigens kostenlos (& im Nachhinein wirklich sehr empfehlenswert).

Wir sahen uns zunächst auf dem gegenüberliegenden „Parliament Hill“ um, wo die Parlamentsgebäude stehen. Auf dem Weg zum Centre Block passiert man erst die Centennial Flame, die in der Silvesternacht 1966 zum hundertsten Jahrestag der Gründung der Confederation (Zusammenschluss der damaligen Provinzen Ontario, Québec, Nova Scotia & New Brunswick) entzündet würde. Rechts & links vom Centre Block befinden sich der East bzw. West Block & direkt davor steht der 90 m hohe Peace Tower, der ein Glockenspiel (Carillon) mit 53 Glocken beherbergt, die jeweils zwischen 4,5 kg und 10 t wiegen & heute mehrfach live bespielt wurden. Ein Großteil des Außengeländes ist allerdings aufgrund einer riesigen Baustelle am West Block derzeit nicht zugänglich. Sehr schade!

Daher liefen wir weiter zum benachbarten Rideau Canal. Hier gibt es eine Schleusentreppe mit insgesamt 8 (auch heute noch handbetriebenen) Toren, die seit 2007 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Wir konnten beobachten, wie 3 Yachten die gut 24 Meter vom Ottawa River zum Rideau Canal nach oben „geschleust“ wurden. Da muss man ein bisschen Zeit mitbringen, wenn man hier mit seiner Yacht unterwegs ist. Für uns war es auf jeden Fall spannend zu beobachten.

Ganz in der Nähe befindet sich der Confederation Square mit einem Kriegsdenkmal. Hier konnten wir zufällig der Wachablösung beiwohnen – auch nicht ganz unspektakulär. 🙂

Nach einem Spaziergang durch die Sparks Street, eine autofreie Einkaufsstraße, schlenderten wir am Ottawa River entlang zum Parliament Hill zurück bzw. erst noch zum Nepean Point an der Alexandra-Brücke, einem Aussichtspunkt mit tollem Blick über Ottawa & ihre Schwesterstadt Gatineau (auf der anderen Seite des Ottawa River), die sich bereits in der (französischsprachigen) Nachbarprovinz Québec befindet. Zusammen bilden sie den „Capital District“ (also den Hauptstadtbezirk). Hieran erkennt man wunderbar: Kanadas Herz schlägt zweisprachig. 🙂

So langsam wurde es Zeit für unsere Führung im Parlament. Die begann mit leichter Verspätung am Flaggenmast. Von hier aus durchliefen wir zwei Sicherheitskontrollen: Zunächst wurden die Rucksäcke aller Teilnehmer manuell geprüft, dann ging es durch einen Scanner – ähnlich wie am Flughafen (inkl. Gürtel ablegen & Taschen ausleeren). Und dann ging die Führung endlich los, also fast. 😉 Mark, unser Guide, sammelte erst noch unsere Tickets ein, um diese wegzubringen, & prüfte anschließend, ob die vorherige Führung bereits weit genug entfernt war, so dass wir starten konnten.

Mark führte unsere etwa 25-köpfige Gruppe durch mehrere Gänge & Räume, darunter das House of Commons, den Senat, die Bibliothek (sehr, sehr sehenswert – der älteste Raum des gesamten Komplexes), Besprechungsräume etc. Er erklärte alles recht ausführlich (& sprach daher auch ziemlich schnell) & beantwortete auch Fragen gern. Nach einer knappen Stunde war die Führung vorüber & wir durften ein, zwei Ecken des Gebäudes selbst erkunden, z. B. mit dem Fahrstuhl den Peace Tower hinauf. Von hier aus hat man auch noch mal einen sehr schönen Blick über Ottawa & die Umgebung.

Vom vielen Laufen & auch von der Hitze (es waren locker um die 30 Grad, vielleicht auch mehr – das war für uns der bisher heißeste Tag des Urlaubs) waren wir schon etwas fußlahm, so dass wir mal eine Pause einlegen wollten. Dank unserer App „Happy Cow“ fanden wir im Viertel Byward Market (hier gibt es jede Menge Cafés, Bistros & Restaurants sowie eine Markthalle) ein kleines Café namens „Peace Garden“. Und wie klein die Welt doch ist – am Tresen stand ein Deutscher! So lässt es sich natürlich noch einfacher bestellen. 😉

Nach Kaffee, Kuchen & zwei Smoothies sowie einer netten Unterhaltung mit dem Wiesbadener wanderten wir frisch gestärkt zur nahegelegenen Basilique Notre-Dame, vorbei an der National Gallery of Canada, die wohl durchaus auch einen Besuch lohnt, allerdings bereits 17 Uhr geschlossen ist (wobei wir angesichts unserer bisherigen gelaufenen Strecke keine ernsthaften Ambitionen hat, dort noch reinzuschauen).

Der Rückweg zum Auto (wir wollten ja noch nachlösen) führte uns weiter durch den Byward Market & anschließend kurz durch das Rideau Centre (Ottawas größtes Einkaufszentrum). Da es auch so langsam Zeit für das Abendessen war & das vegetarische Restaurant („Perfection Satisfaction Promise“), das wir uns ausgesucht hatten, nur bis 20 Uhr geöffnet hatte, liefen wir vom Auto direkt zum Restaurant. Das war zwar klein, aber total niedlich & das Essen äußerst lecker!

Als wir aus dem Restaurant kamen, regnete es gerade ziemlich heftig, so dass wir uns nebenan im Hauseingang unterstellten & warteten, dass der Regen nachließ. Dann liefen wir zum Rideau Canal (der die Stadt übrigens in East & West unterteilt) & dort die Promenade bis zu den Schleusen entlang. Eigentlich wollten wir nur noch die Zeit bis 22 Uhr überbrücken, dann sollte eine Light Show am Parliament Hill stattfinden. Wir setzten uns in der Nähe des Nepean Point in den Park & entspannten noch etwas. Halb 10 liefen wir schließlich zum Parlament, um dann allerdings dort zu erfahren, dass die Light Show heute aufgrund des Wetters (es regnete gerade wieder) ausfallen muss. Das ist aber sehr schade! Statt der Show warteten wir nun also den Regen ab, bevor wir zum Auto zurückkehrten & schließlich zum Campingplatz fuhren.

Damit ging mal wieder ein wunderbarer Tag zu Ende. Ottawa hat uns wirklich gut gefallen – hier könnte man ohne Weiteres mehrere Tage verbringen, ohne dass es langweilig wird. Morgen geht es für uns aber weiter zu den „Thousand Islands“ im Sankt-Lorenz-Strom.

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