Geschichte & Kultur – Toronto im Sommer 2

Die Rückfahrt von der Bruce Peninsula nach Toronto zog sich ziemlich in die Länge. Einerseits gerieten wir in ein heftiges Unwetter inkl. Hagel, andererseits war es sehr voll auf dem Highway & der Verkehr staute sich dadurch häufig. Wir brauchten schließlich reichlich 5 Stunden für die 280 km & kamen erst gegen halb 8 bei A. an. Das Navi hatte ursprünglich mal 3 Std. 40 min für die Strecke berechnet…

Wir räumten nach unserer Ankunft zunächst das Auto aus & auf. Nico putzte es sogar auch noch ein wenig von innen, so dass es fast wieder wie neu aussah. 😉 Zum Abendessen hätten wir zwar noch jede Menge Kartoffeln gehabt, aber auf Kochen hatten wir heute keine Lust mehr. Stattdessen fuhren wir zu dem vegetarischen Restaurant „Fresh“, in dem wir auch schon vor 3 Wochen sehr lecker gegessen hatten. Das war eine gute Wahl – das Essen kam sehr schnell & war wieder köstlich!

Nach dem Abendessen trennten sich erst mal unsere Wege. A. kaufte ein paar Sachen für das morgige Frühstück ein & wir brachten das Auto zurück zum Flughafen. Wir hätten theoretisch noch bis morgen 10:30 Uhr Zeit gehabt, wollten das aber heute noch erledigen, um dann morgen mal wieder ausschlafen zu können.

Die Fahrt zum Flughafen war nach dem Tankstopp noch mal von einem kräftigen Regenguss begleitet. So schnell konnten die Scheibenwischer gar nicht wischen, wie das Wasser nachkam. Die Rückgabestation für die Mietwagen befindet sich bei Terminal 1 & ist auch recht gut ausgeschildert. Für die einzelnen Anbieter gibt es verschiedene Einfahrten. Wir dachten schon, wir hätten unseren Anbieter (Alamo) verpasst, aber wir waren einfach nicht weit genug gefahren. 😉 Die eigentliche Rückgabe ging dann sehr schnell. Der Mitarbeiter ging einmal um das Auto herum, prüfte Kilometerstand & Tankfüllung & dann bekamen wir eine kleine Quittung ausgedruckt & konnten gehen.

Wir mussten dann einmal quer durch das Terminal bzw. in die Ankunftshalle, um dann von hier aus (eine Etage tiefer) mit dem Bus 192 (Express) zur Kipling Station zu fahren. Der Bus ließ glücklicherweise nicht lange auf sich warten, so dass wir die U-Bahn-Station schnell erreichten. Bis wir dann wieder bei A. waren, schlug die Uhr aber dennoch fast Mitternacht. Wow, echt ein langer Tag heute! Ich muss erst mal schlafen… 😉

Für den nächsten Morgen war Ausschlafen angesagt. Wir ließen es ganz gemütlich angehen, frühstückten in Ruhe & überlegten, was wir heute machen könnten. Wir durften zunächst noch die Waschmaschine & den Trockner hier bei A. nutzen. Während A. sich ihrem Skype-Date widmete, machten wir uns auf den Weg zur Casa Loma, dem „einzigen Schloss in voller Größe in Nordamerika“.

An der Bathurst Station besorgten wir uns wieder einen Family Pass für 11,50 CAD & fuhren mit dem Bus 7 ein paar wenige Stationen bis zur Bridgman Avenue, um nach ein paar hundert Metern die beeindruckenden Gemäuer zu erreichen. Das Wetter war fantastisch, es war Feiertag (Civic Holiday)… Und es war voll! Vor dem Eingang der Casa Loma stand eine riesige Schlange. Aber wir hatten Glück: Von A. hatten wir zwei Toronto CityPässe erhalten. Der CityPass ist eine echt tolle Erfindung – gegen einen Festpreis bekommt man ein Booklet mit je einer Eintrittskarte für (in diesem Fall) 5 Sehenswürdigkeiten in der jeweiligen Stadt. Normalerweise muss man, sobald man die erste Attraktion besucht, die anderen Tickets innerhalb von 9 Tagen nutzen, da sie sonst verfallen. Die CityPässe von A. waren schon älter, aber damals wurde kein Datum eingetragen, so dass wir sie jetzt immer noch nutzen konnten. Und das Beste daran war (mal abgesehen davon, dass wir sozusagen umsonst in die Casa Loma kamen), dass man sich mit dem CityPass nicht mehr an die Schlange an der Kasse („Box Office“) anstellen muss, sondern direkt zur Rezeption gehen kann. So machten wir das & plötzlich waren wir schon drin. Yeah! Alles richtig gemacht. 😀

A. hatte uns empfohlen, Audioguides zu besorgen. Die gibt es im Untergeschoss (immer den Schildern nach) & die sind tatsächlich kostenlos UND auch in deutscher Sprache erhältlich. Einfach beim Ausleihen sagen, welche Sprache gewünscht wird. Da liefen wir nun bewappnet mit den Audioguides & einer Karte (ebenfalls auf Deutsch) durch die Casa Loma & hörten uns eine Beschreibung nach der nächsten an. Durch die Guides am Ohr konnte man richtig in die damalige Zeit eintauchen & sogar teilweise die Menschenmassen, die sich hier durch die Räume schoben, etwas ausblenden. Die Ansagen waren sehr gut eingesprochen, wirklich interessant, ohne dass es langweilig wird. Sehr, sehr empfehlenswert!

Der Bau der Casa Loma wurde 1911 von Sir Henry Mill Pellatt in Auftrag gegeben. Sein Traum war es, ein edwardianisches Schloss auf einem Hügel mit Blick auf Toronto zu besitzen. Fast 3 Jahre bauten 300 Männer an dem 18.500 Quadratmeter großen Schloss. Letztlich lebten Sir Henry Pellatt und seine Frau Lady Mary nur knapp 10 Jahre darin – von 1913 bis 1923 -, bevor sie aufgrund finanzieller Misserfolge gezwungen waren, es zu verlassen. Pellatt war jahrzehntelang erfolgreicher Kaufmann, starb jedoch mittellos, was wohl nicht zuletzt an den immensen Kosten gelegen haben wird, die der Unterhalt eines so riesigen Schlosses verschlingt.

Die Casa Loma umfasst auf 4 Etagen mehr als 90 Zimmer, von denen jedoch nicht alle öffentlich zugänglich sind. Aber es gibt mehr als genug zu sehen: Großer Saal mit Orgel, Bibliothek, Esszimmer, Servierzimmer, Raucherzimmer, Billiardzimmer, die Gemächer der Pellatts inkl. Badezimmer, Gästezimmer, Wintergarten und viele mehr. Einige sind so eingerichtet wie damals, in anderen wurden einzelne Möbel erneuert oder nachempfunden. Über die Audioguides wurden im Display auch ab und an Fotos eingeblendet, um zu zeigen, wie es zu der Zeit tatsächlich ausgesehen hat. Mit vielen Ideen war Sir Henry Pellatt seiner Zeit weit voraus. Er ließ beispielsweise überall WCs einbauen & eine Art „Wellnessdusche“ (so würde man es heute bezeichnen) mit verschiedenen regulierbaren Strahlern sowie ca. 50 Telefone installieren. Der Wintergarten wurde über ein Lüftungssystem beheizt. Es gab einen Fahrstuhl, der auch heute noch in Betrieb ist. Pellatt hatte sehr viele Träume, die er im Schloss verwirklichen ließ – einige konnten jedoch nicht umgesetzt werden, aber auch so wirkt die Casa Loma sehr imposant. Man ist beeindruckt, wie gut hier moderne & alte Techniken miteinander kombiniert wurden & perfekt zu harmonieren scheinen. Ich könnte noch viel mehr über das Schloss berichten, aber möchte auch nicht alles verraten. 😉 Meiner Meinung nach lohnt die Casa Loma in jedem Fall einen Besuch, wenn man in Toronto ist.

Nach etwas mehr als 2 Stunden Rundgang im Schloss (man sollte ruhig 2,5-3 Stunden dafür einplanen) liefen wir noch durch den angrenzenden Garten, um dann bald wieder zu A. zu fahren. Wir hatten angedacht, mit A. in den High Park zu fahren, weil dort zwei Stücke (im Wechsel) von Shakespeare aufgeführt werden. Laut Internet sollte heute „Cäsar“ kommen. Auf dem Hinweg (mit kleinem Umweg) besorgten wir uns im „Fresh“ jeder ein Essen zum Mitnehmen & dann nahmen wir die Subway zum High Park.

Für 20 Uhr war der Beginn des Stücks angesagt. Wir waren auch pünktlich da, aber leider sonst niemand. Das ist aber schade! Wir wissen bis jetzt nicht, warum das Stück nicht stattgefunden hat. Wegen des Feiertags etwa? Wie auch immer… [Nachtrag: Wir haben später herausgefunden, dass montags generell keine Aufführung ist. Das erklärt einiges!] Wenigstens hatten wir leckeres Essen. 🙂 Wir suchten uns einen schönen Platz an einem Teich & genossen plaudernd bei untergehender Sonne unsere „fresh bowls“. Pünktlich 21 Uhr attackierten uns die Mücken (nach denen kann man echt die Uhr stellen), so dass wir zurück nach Korea Town aufbrachen.

An der Christie Station stiegen wir aus & bemerkten, dass ganz in der Nähe eine Band spielte – beim Christie Park, einfach so. Wie schön! Wir suchten uns eine Sitzgelegenheit & lauschten für eine Weile dem Spiel der Musiker. Da bekommen wir ja heute doch noch etwas Kultur zu sehen & zu hören. 🙂

Zurück bei A. unterhielten wir uns noch alle zusammen mit ihren Mitbewohnern, die inzwischen auch von ihrem Campingausflug über das verlängerte Wochenende zurückgekehrt waren. Wir lachten viel & tauschten ein paar Storys aus. Sehr schön! 😀

Und dann brach schon der letzte Tag unseres Kanada-Urlaubs an. Wie die Zeit vergeht… Wir schliefen ein bisschen aus, frühstückten entspannt zusammen mit A., die sich spontan entschlossen hatte, heute von zu Hause aus zu arbeiten. Toll – so hatten wir noch mal etwas Zeit zusammen. 🙂

Nachdem wir unsere Rucksäcke (fast komplett) gepackt hatten, überlegten wir, was wir zum Abschluss noch Schönes machen könnten. CN Tower war uns mit 35 CAD (plus Steuern) zu teuer, das Panarama – ein Restaurant im 51. Stock eines Hochhauses – als Alternative eventuell? Leider öffnet es erst 17 Uhr. Zu der Zeit wollten wir allerdings zurück sein, um die letzten Reisevorbereitungen zu treffen. Was nun? Wir entschieden uns für den St. Lawrence Market, eine riesige Markthalle in der Nähe des Stadtteils Old Town. Außerdem wollten wir noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen & mussten auch noch unsere SIM-Karte von Fido kündigen.

Der St. Lawrence Market ist ganz nett – es gibt verschiedenstes Essen aus der ganzen Welt zu kaufen, aber wenn man bereits Markthallen in europäischen Städten gesehen hat, wird man eventuell etwas enttäuscht sein. So ging es mir zumindest. 😉

Anschließend spazierten wir ein wenig durch das Viertel Old Town mit der St. James Cathedral & dem alten Rathaus. Im Eaton Center, der Shopping Mall, die wir bereits bei unserem ersten Toronto-Aufenthalt aufgesucht hatten, fanden wir dann auch einen Fido Store & außerdem die wohl unfreundlichste Kanadierin, die man sich vorstellen kann. :-/ Der Shop war schrecklich voll, draußen & aufgrund der offenen Türen auch drinnen war es unheimlich laut. Eine Art „Rezeptionistin“ hatte einen eher uninteressierten Blick aufgesetzt & kam direkt auf uns zu. Meine freundliche Begrüßung („Hi, how are you?“) wurde ignoriert bzw. mit einem Blick quittiert, der mich etwas frösteln ließ. 😀 Nun ja, die Dame fragte nach meinem Anliegen (Karte stornieren & Rechnung bezahlen) & motzte mich an, dass ich die Karte nur telefonisch stornieren, aber die Rechnung hier bezahlen könne. So so, mein Geld nehmt ihr also gern… 😉 Sie notierte meinen Namen & mein Ansinnen auf ihrem Board & überließ uns erst mal unserem weiteren Schicksal: Schlange stehen. Wir waren übrigens nicht die einzigen, die so unterkühlt behandelt wurden – es erging dem Anschein nach auch allen anderen so.

Kurz bevor wir an der Reihe waren, fragte sie uns, wie wir denn bezahlen wollten: Credit, Debit oder Cash? Natürlich in bar – wir hatten ja noch ein paar kanadische Dollar loszuwerden. 😉 Die Antwort passte ihr allerdings auch nicht so recht – ihr Blick dafür goldwert. Letztlich aber kein Problem – wir mussten nur noch etwas länger warten, weil man nicht an jedem Schalter bar bezahlen konnte.

Der Mitarbeiter am Tresen war im Gegensatz zu seiner Kollegin sehr freundlich, nahm unser Geld entgegen & bestätigte mir dann auch noch mal, dass ich für die Stornierung selbst anrufen müsse. Sie hätten hier keinen Zugriff auf solche Dinge. Aha, eigenartiges Konzept. Wie dem auch sei – er bot mir stattdessen an, dass ich eines der Mobilteile (Festnetz) nutze, um die Stornierung vorzunehmen. Das Angebot nahm ich dummerweise an. Die Verbindung war sooo schlecht (es knackte & kratzte ständig im Hörer), der Mensch am anderen Ende kaum zu verstehen & außerdem die Geräuschkulisse um mich herum einfach nur laut. Irgendwie habe ich mich durch das „Gespräch“ gekämpft & ich hoffe, dass die Stornierung geklappt hat, würde aber meine Hand nicht dafür ins Feuer legen. 😉 Übrigens sehr interessant, dass in einem Telefonladen die Telefone nicht richtig funktionieren. 😀

Nach dieser Aktion brauchte ich erst mal was zur Aufmunterung – ein Eis wäre toll! Wir liefen also weiter durch das Center & holten schließlich jeder eine Eistüte bei dem Burger-Anbieter mit dem großen M. Und danach mussten wir auch schon wieder zurück. Nico holte sich noch eine „fresh bowl“ im „Fresh“ & dann ging es zu A., um die restlichen Sachen zusammenzupacken, etwas zu essen & noch mit A. & ihrem Mitbewohner R. zu plaudern. Der bot uns sogar noch an, uns zum Flughafen zu bringen! Wie toll! Many thanks again!

Unser Flieger sollte 21:40 Uhr gehen – eigentlich. 😉 Wir waren knapp 2 Stunden vorher da & hatten zum Glück schon am Morgen online eingecheckt. Bei den Check-in-Schaltern von Air Canada für die internationalen Flüge war es völlig überfüllt – mehrere riesige Schlangen, wir entdeckten zunächst gar nicht das Ende. Puuuh, das könnte knapp werden… Aber wie sich schnell herausstellte, waren wir nicht die einzigen, die für den Flieger nach Frankfurt anstanden, sondern es läuft wohl sehr häufig so hier.

Um es kurz zu machen: Wir schafften es dank der doch guten Organisation auf dem Flughafen rechtzeitig zum Boarding & saßen halb 10 auf unseren Plätzen. Ein paar Passagiere schafften das aber scheinbar nicht, denn kurz darauf kam die Durchsage, dass sich ein paar Mitreisende im Terminal verlaufen hätten & wir daher noch warten müssten. Unser Start würde sich um ca. 10 min verschieben. Gut, daraus wurden letztlich 45 min… In Frankfurt landeten wir dann mit gut 35 min Verspätung, was aber für uns kein Problem war, da wir dennoch über eineinhalb Stunden Zeit bis zum Start unseres Fliegers nach Leipzig hatten. Die Pass- & eine erneute Sicherheitskontrolle meisterten wir souverän & nach unzähligen Gängen & einer kurzer Fahrt mit dem Shuttle kamen wir etwa 15 min vor Boarding am Gate an. In Leipzig landeten wir dann pünktlich & erreichten gegen 16 Uhr die heimischen Wände. Mann, das war ein toller Urlaub! 🙂

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